V. Teil –- Der Erfolg

Ums Haar fliegt die Sache Mitte der neunziger Jahre auf. Drei Molzahn-Fälschungen aus den Achtzigern werden durch eine naturwissenschaftliche Untersuchung beim Münchner Doerner Institut entdeckt. Alle drei Bilder hatte Wolfgang geliefert. Doch als die Polizei ihn im Juli 1996 dazu vernehmen will, hat Wolfgang den Viersener Hof verkauft und ist auf Reisen. Angeblich weiß niemand, wohin und wie lange. Otto Schulte-Kellinghaus, der zur Polizei bestellt und befragt wird, gibt zu Protokoll, ihm sei nicht bekannt, dass Wolfgang Beltracchi mit Bildern handle. Die Ermittler geben schnell auf. Viel können sie ohnehin nicht mehr ausrichten. Der Betrug ist verjährt.

Wolfgang und Helene sind inzwischen mit einem alten Wohnmobil bis Südfrankreich gekommen. 50 Kilometer von Montpellier entfernt mieten sie ein Ferienhaus mit Atelier. Das Licht des Languedoc wirkt auf Wolfgangs Schaffenskraft. Wenn er gerade nicht malt, besucht er mit seiner Frau Antiquitätenläden, Kunstmessen und Galerien. Die Geschäfte gehen weiter. Bald kann das Ehepaar auf das 1858 erbaute Landgut „Domaine des Rivettes“ umziehen – mit eigenem Fluss und eigenen Weinbergen. Im Herrenhaus hängen zahlreiche Gemälde. Gästen werden sie als Erbstücke aus dem Nachlass eines Verwandten von Helene erklärt. Auch davon, dass man Bilder auf Auktionen gibt, wird gesprochen. Der Gedanke an Fälschung kommt niemandem. Schlimmstenfalls vermuten einige, die Gemälde, die offenbar die Quelle des Reichtums der Beltracchis darstellen, seien während der Nazizeit unrechtmäßig in den Besitz der Familie gelangt.

Was im Einzelnen während dieser Jahre in Auktionshäusern für teils atemberaubende Summen versteigert wurde, kann man als SPIEGEL-Thema nachlesen. Eine umfangreiche aber durchaus unterhaltsame Lektüre.

Keine zehn Jahre nach der „Flucht“ im alten Wohnmobil erwerben die Landhausbesitzer eine Villa in Freiburg und lassen sie für ein Vermögen nach ihren Vorstellungen umbauen. Wenn Wolfgang sich in Freiburg aufhält, um die Bauarbeiten zu beaufsichtigen, residiert er im Colombi, dem ersten Haus am Platz. Am 22. September 2007 geben die Beltracchis eine große Party zur Einweihung ihres neuen Domizils. Champagner aus Magnum-Flaschen, eine aus Spanien eingeflogene Flamenco-Truppe. Die feine Freiburger Gesellschaft, die hier oben in bester Südwestlage wohnt, kann nur Vermutungen über den Hintergrund der neuen Nachbarn anstellen, eine davon: Beltracchi sei ein Künstler, der nur noch für millionenschwere Stammkunden malt.

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