Wer hätte nicht schon einmal in einer Bredouille gesteckt oder sich in einem Dilemma befunden? Beides ist nicht wünschenswert, sind wir doch in beiden Situationen in der Ausübung unseres freien Willens stark eingeschränkt: In der Bredouille werden wir bedrängt und müssen „notgedrungen“ nachgeben; in einem Dilemma bleibt uns – „wohl oder übel“ – nur die Entscheidung zwischen zwei Möglichkeiten, die beide zu einem unerwünschten Resultat führen, so dass wir lediglich hoffen können, das (langfristig) kleinere Übel zu wählen.

Interessanterweise wird die Bedeutung der lateinischen Formulierung nolens volens (nicht wollend wollend) mit „notgedrungen, wohl oder übel“ erklärt. Dazwischen gehörte, genau genommen, statt eines Kommas ein Semikolon, da eben Bedrängnis und Dilemma nicht dasselbe sind. Dem nolens volens aber fehlt zwischen dem Nichtwollen und Wollen etwas, das besagt „egal ob wollend oder nicht wollend“ (notgedrungen) oder „wollend und gleichzeitig nicht wollend“ (widerstrebend).

Ich selbst verwende nolens volens lieber in der zweiten Bedeutung. Das hat mit dem vollen Klang der Worte zu tun, der besser zu einer Entscheidung passt, die man sich abgerungen hat. Anders die englische Übersetzung: willy nilly (später auch umgedreht verwendet: nilly willy). Das kling für mich nach Micky Maus. Tatsächlich hat sich aber schon William Shakespeare dieser Worte bedient z.B. in „Der Widerspenstigen Zähmung“

Petruchio: [zu Katharina]

Thus in plain terms: your father hath consented
That you shall be my wife; your dowry ‚greed on;
And, Will you, nill you, I will marry you.

Wer das Stück nicht auf der Bühne gesehen hat, erinnert sich vielleicht der Filmszene:

Auf die Frage des Geistlichen, ob sie Petruchios [Richard Burtons] Frau werden will, antwortet Katharina [Elizabeth Taylor]: „I will …“, und Burton lässt sie nicht zu Ende sprechen, sondern erstickt das „not“ mit einem Kuss, über den der Geistliche eilig seinen Segen sprich.

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