Mich systematisch durch das ZEIT-Lexikon lesend, war ich nun beim Ablativ angelangt und entsprechend unangenehm berührt. Um das zu erklären, muss ich zwei Dinge eingestehen:

a) In meiner Schulzeit mochte ich den Deutsch-Unterricht hauptsächlich wegen der Aufsätze, die geschrieben, und wegen der Gedichte, die gelernt wurden, aber die Grammatik war mir ein Gräuel, und ich war für jede Eselsbrücke dankbar.
b) Latein habe ich nach einem Schuljahr abgewählt und bin zu „“mathematisch-naturwissenschaftlich““ übergewechselt, was sich leider nicht als das kleinere Übel erwies, denn Mathematik…

Aber über Mathematik will ich ja jetzt nicht schreiben, sondern über den Ablativ, einen Kasus (Fall) mehrerer lebender und toter Sprachen -– glücklicherweise nicht der deutschen, obwohl er bei uns sinngemäß natürlich auch vorkommt aber aus dem Dativ oder dem Akkusativ in Verbindung mit einer Präposition gebildet wird. Im Lateinischen gibt es den Ablativ, und dies war mit Sicherheit einer der Gründe, warum ich mit Latein auf Kriegsfuß stand, und wäre auch Grund genug gewesen, den Ablativ im Lexikon einfach zu ignorieren, aber wenn es um Gründe geht, bemühe ich mich um Gründlichkeit. Das heißt, ich versuche, allem eine interessante oder erheiternde Seite abzugewinnen, bevor ich meiner Ignoranz die Zügel schießen lasse. Folglich schaute ich bei Wikipedia nach, das sich etwas ausführlicher mit dem Ablativ befasst, und -– siehe da! -– ich fand etwas, nämlich die Endung –-bus, mit welcher der Ablativ im Plural (auch) gebildet wird, und dabei erinnerte ich mich, einmal etwas über die Herkunft der Bezeichnung „“Omnibus““ gelesen zu haben. Omnibus ist tatsächlich ein lateinisches Wort und bedeutet schlicht „„für alle““ (Präposition + Akkusativ). Von wegen, es gäbe keinen Ablativ im Deutschen! Ich grübelte nach mehr Worten, die auf -–bus enden, und als nächstes fiel mir der Fidibus ein, eine Holzspan oder gefalteter Papierstreifen, den man z.B. am Kaminfeuer entzündet, um sich die Pfeife damit anzustecken. Dummerweise will der Fidibus sich so leicht nicht aus dem Lateinischen herleiten lassen.

Die Etymologie des im späten 17. Jahrhundert aufgekommenen Begriffes ist unbekannt. Moriz Haupt vermutete eine scherzhafte Umdeutung eines Spruches von Horaz als Ursprung: In Od. 1,36,1–3 heißt es et ture et fidibus iuvat placare … deos, lasst uns mit Weihrauch und Saitenspiel die Götter besänftigen. Er vermutet, dass als Studentenulk ture zu Tabaksqualm und fidibus zum Pfeifenanzünder wurde. Das Deutsche Wörterbuch vermutet eine Abwandlung von fr. fil de bois, Leitung aus Holz.

Moritz Haupt (1808-1874) war zwar ein klassischer Philologe und Germanist aber bei den Studentenulken des 17. Jahrhunderts schwerlich zugegen, und ob das Deutsche Wörterbuch mit einer Abwandlung aus dem Französischen Recht hat…? Fil de boit würde in etwa Faden aus Holz heißen, und ich konnte keinen Hinweis darauf finden, dass diese Bezeichnung im Französischen je gebräuchlich war, so dass sie eingedeutscht hätte werden können. Bliebe als Erklärung noch der beliebte Zauberspruch hocus pocus fidibus, bei dem es sich um eine pseudolateinische Schöpfung des 17. Jahrhunderts handeln soll, und was zuerst da war, der Fidibus oder der Hokuspokus, ist nirgends vermerkt.

Obwohl ich der Herkunft des Wortes Fidibus nicht wirklich auf die Spur kommen konnte, hatte Wikipedia aber doch eine kleine Ergötzlichkeit für mich: den elektrischen Fidibus:

Fidibus_DraufsichtFidibus_SeitenansichtFidibus_Untersicht

Er wurde um 1920 im Deutschen Reich hergestellt, war aus Bakelit, Porzellan und Metall und wurde in eine Steckdose gesteckt. Drückte man den Knopf, brachte der elektrische Strom die Drähte zum Glühen. Sinn dieser Erfindung war, die teuren Streichhölzer zu sparen, denn Strom kostete wenig. Diese Technik fand dann auch als Zigarettenanzünder im Auto Verwendung.

All dies gehört natürlich in einen eigenen Lexikon-Eintrag, aber bis endlich der Fidibus an der Reihe ist, werden alle den Ablativ längst vergessen haben, so dass ich den Fidibus (hocus pocus ……) ruhig noch einmal hervorzaubern kann, ohne dass jemand es merkt.

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