1) Bez. Für die westl. Länder Europas (von Italien aus gesehen), der Okzident, im Ggs. zum Morgenland, dem Orient
2) Bez. Für den west- und mitteleurop. Kulturkreis, der sich seit dem MA. herausbildete
(Das Lexikon)

Soweit das Wesentliche. Wikipedia fasst den Begriff „Abendland“ etwas weiter:

Als Abendland (auch: Christliches Abendland oder Okzident) wird ursprünglich der westliche Teil Europas bezeichnet, besonders Deutschland, England, Frankreich, Italien und die Iberische Halbinsel. Heute schließt der Begriff die gesamte durch gemeinsame Werte (griechische Philosophie, römisches Recht, Judentum und Christentum) verbundene westliche Welt* ein. Seit der Romantik entwickelte sich vor allem in „Teutsch-Land” (deutscher Sprachraum) eine besondere Traditionslinie um den Abendlandbegriff, die einen letzten Höhepunkt in einer regelrechten Abendland-Ideologie der 1950er Jahre fand.

*) Während er [der Begriff „westliche Welt“] ursprünglich die westeuropäische Kultur definierte, wird er heute meistens auf gemeinsame Werte der Nationen in Europa und Nordamerika bezogen, die nach westlichen Werten wie Freiheit, Rechtsstaatlichkeit, Gleichheit, Marktwirtschaft, Kapitalismus, Individualismus und Demokratie leben.

Quellen:
Das Lexikon, Zeitverlag, ISBN Band 1: 3-41117561-3
Wikipedia: Abendland
Wikipedia: Westliche Welt

Nachwort:

Ein schönes Wort: Abendland (Morgenland übrigens auch), ein romantisches Wort, doch mit dem letzten oben zitierten Halbsatz spricht Wikipedia auch schon an, dass sich damit nicht nur Himmelsrichtungen, Sonnenauf- und –untergänge verbinden, sondern auch Ideologien, Systeme von Ideen also, die sich meistens nicht auf die individuelle Weltanschauung beschränken, sondern tief in die Politik hinein reichen können.

Bei seiner Regierungserklärung am 20. September 1949 bekannte sich Konrad Adenauer zum „Geist christlich-abendländischer Kultur“ als Fundament seiner Kanzlerschaft. Bundespräsident Theodor Heuss erklärte am 16. September 1950 bei einer Schulfeier in Heilbronn: „Es gibt drei Hügel, von denen das Abendland seinen Ausgang genommen hat: Golgatha, die Akropolis in Athen, das Capitol in Rom. Aus allen ist das Abendland geistig gewirkt, und man darf alle drei, man muss sie als Einheit sehen.“ Das klingt – ich möchte sagen: großartig – aus der zeitlichen Distanz von sechzig Jahren fast wie eine staatsmännische Vision der Römischen Verträge.

Dass die Abendland-Bewegung der 50er Jahre etwas weit Heikleres war, als die großen Worte vermuten lassen, wird einem vielleicht deutlich, wenn man z.B. Tim Geigers Dissertation „Atlantiker gegen Gaullisten“ gelesen hat. Eine relevante Passage hier als PDF.

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