Petrus Abaelardus, geboren als Pierre Abélard 1079 in Le Pallet (bei Nantes), gestorben am 21. April 1142 im Kloster St. Marcel (bei Chalon-sur-Saône) war ein so umstrittener wie streitbarer französischer Philosoph und bedeutender Vertreter der Frühscholastik. Er lehrte in Paris Theologie, Logik und Dialektik und hatte Einfluss auf die späteren Päpste Alexander III. und Cölestin II.

Johann von Salisbury, der bei ihm studiert hatte, später Sekretär von Thomas Becket, und schließlich (1176) Erzbischof von Chartres wurde, nannte ihn Peripateticus palatinus (den Peripatetiker aus Le Pallet).

An dieser Stelle seien der Blogautorin zwei Anmerkungen gestattet:
a) Peripatos, die philosophische Schule des Aristoteles, wurde wie die anderen philosophischen Schulen Athens nach dem Ort genannt, an dem der Unterricht stattfand, in diesem Fall dem Peripatos (Wandelhalle). Die Angehörigen der Schule hießen folglich Peripatetiker. Daraus zu schließen, dass sie beim Philosophieren grundsätzlich wandelten, wäre ein Trugschluss. Auf einen Sinn für Humor bei Johannes von Salisbury zu schließen, wäre nach Meinung der Blogautorin vollkommen richtig. Grundsätzlich vermutet die Vorgenannte, dass die Philosophen die ersten wahren Humoristen in der Kulturgeschichte waren, und dass in jedem Humoristen etwas von einem Philosophen steckt.
b) Das Drama „Becket oder die Ehre Gottes“ von Jean Anouilh ist das erklärte Lieblingstheaterstück der Blogautorin.

Da die Philosophie einem Schinkenbrot gleicht, das man, hat man einmal hineingebissen, ganz und gar verschlingen muss, weil man nicht abbeißen kann, hier über die Lehren Abélards nur das Wesentliche: Im Universalienstreit vertrat Abélard die These, Allgemeinbegriffe besäßen nur subjektiven Bedeutungsgehalt, dem nichts Wirkliches entspräche, wirklich sei allein das individuelle Einzelding. In der Ethik räumte Abélard der Gesinnung den Vorrang vor der Tat ein.

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Fotomontage aus verschiedenen Ansichten des Grabmals von Abélard und Héloïse – Fotograf: Patrick T. Power

Dem Globetrotter oder Romantiker, vor allem wohl dem globetrottenden Romantiker ist Abélard ohnehin weniger durch seine Philosophie als durch sein Grabmal auf dem Pariser Friedhof Père Lachaise bekannt, teilt er seine letzte Ruhestätte doch mit seiner Geliebten Héloïse.

In Paris hatte Abélard sich unter seinen Lehrern einige Gegner geschaffen, übertraf er diese doch bei seinen eigenen Vorlesungen nicht selten an Beliebtheit, das ging so weit, dass er Lehrverbote erhielt und sich zurückziehen musste. Trotzdem gelang es ihm immer wieder, in die französische Hauptstadt zurückzukehren. 1114 unterrichtete er dort Logik und Theologie und wurde der Hauslehrer Héloïses, einer begabten jungen Frau. Bald entwickelte sich zwischen den beiden eine Liebesbeziehung, von der Héloïses Onkel und Beschützer, der Kanoniker Fulbert, erst etwas merkte, als Héloïse bereits schwanger war. Abélard sorgte für ihre Flucht zu seiner Familie nach Le Pallet. Dort brachte sie den gemeinsamen Sohn Astralabius zur Welt. Unterdessen bemühte sich Abélard, mit Fulbert einig zu werden: Er wollte sich mit Héloïse vermählen, vorausgesetzt, die Ehe würde geheim bleiben. Héloïse selbst war mit Blick auf Abélards Reputation als Gelehrter entschieden dagegen. Fulbert ging auf Abélards Vorschlag ein und setzte seine Nichte unter Druck, die zwar nicht von Abélard lassen wollte, sich aber einer Ehe widersetzte. So verfügte Abélard, dass Héloïse Nonne im Kloster Argenteuil wurde. Fulbert betrachtete dies als Versuch, sich seiner Pflichten zu entledigen. Wutentbrannt ließ er Abélard überfallen und entmannen.

Solchermaßen tief gedemütigt, trat Abélard bald darauf als Mönch in die Abtei Saint-Denis ein. Sein Ruf als Lehrer aber hatte nicht gelitten, und nach kurzem konnte er wieder Vorlesungen halten. Dies trug ihm jedoch die Feindschaft seiner Ordensbrüder ein und rief andere Gegner auf den Plan. Auf dem Konzil von Soissons (1121) musste Abélard seine Schrift Theologia Summi Boni eigenhändig verbrennen. Doch selbst als Abélard südlich von Nogent-sur-Seine eine Einsiedelei gründete, folgten ihm viele Studenten, um sich weiter von ihm unterrichten zu lassen.

Um sich weiteren Anfeindungen zu entziehen, vielleicht auch um den Kriegswirren in der Champagne zu entgehen, ließ sich Abélard etwa 1127 zum Abt des abgelegenen Klosters Saint-Gildas-en-Rhuys in der Bretagne wählen. Zur selben Zeit wurden die Nonnen von Argenteuil, wo Héloïse inzwischen Priorin geworden war, aus ihrem Kloster vertrieben. Abélard nutzte seine Stellung, um ihnen das Paraklet-Kloster zu schenken, und betreute sie von nun an geistlich, indem er unter anderem eine Ordensregel verfasste. Seine Versuche, im eigenen Kloster eine angemessene Ordnung durchzusetzen, brachten die Mönche gegen ihn auf und führten zu mehreren Attentaten auf ihn. Schließlich gab Abélard das Klosterleben auf und kehrte in die Nähe von Paris zurück. Er lehrte an der Kirche Saint-Hilaire, die zum kleinen Kanonikerstift Saint-Marcel bei Paris gehörte, das wiederum dem Bischofs von Paris unterstand. Dieser war damals krankheitsbedingt nicht mehr in der Lage, sein Amt aktiv auszuüben, so dass Abélard hier nicht nur eine relativ ungestörte Zeit verbrachte. Es gelang ihm sogar ein formidables Comeback. Schüler aus aller Welt suchten ihn auf, darunter Otto von Freising, die oben schon erwähnten späteren Päpste und Johann von Salisbury.

Da Ruhm nie unbeachtet bleibt, entging er auch nicht dem Zisterzensierabt Bernhard von Clairvaux, der Abélard vorwarf, ein Häretiker zu sein. Er klagte Abélard am 25. Mai 1141 vor dem Konzil von Sens an. Abélard richtete eine Appellation an Papst Innozenz II., wurde von diesem jedoch zu Klosterhaft und ewigem Schweigen verurteilt. Abélards Werke wurden öffentlich in Rom verbrannt.

Krank nahm Abélard Zuflucht bei einem Freund, dem Großabt Petrus Venerabilis im Kloster Cluny. Dieser erreichte noch eine formelle Aussöhnung zwischen Abélard und Bernhard von Clairvaux, so dass Abélard die letzten Monate bis zu seinem Tod in Cluny bleiben konnte.

Auf Héloïses Bitte hin wurde Abélards Leichnam ins Paraklet-Kloster überführt. Héloïse ließ sich nach ihrem Tod im Jahr 1164 neben Abélard bestatten. Während der französischen Revolution wurde das Kloster aufgehoben, die sterblichen Überreste des Paares wurden nach Paris verbracht, wo sie seit 1817 auf dem Friedhof Père Lachaise ruhen.

Der Briefwechsel zwischen Abélard und Héloïse, der in der Vergangenheit von einigen Forschern als alleiniges Werk Abélards, von anderen als spätere Fälschung betrachtet wurde, wird nach langen Kontroversen von vielen heute als authentisch eingeschätzt.

Quellen:
Das Lexikon, Zeitverlag, ISBN Band 1: 3-411-17561-3
Wikipedia: Petrus Abaelardus

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