Borders, die zweitgrößte Buchhandelskette der USA hat Insolvenz angemeldet. In den noch verbleibenden 399 Ladengeschäften läuft der Total-Ausverkauf. Die Schließung der Läden wird voraussichtlich 10.700 Amerikaner den Job kosten. Die größte US-Buchhandelskette Barnes & Noble möchte diesem Schicksal entgehen und sucht bereits nach einem Käufer. [mehr dazu bei ZEIT ONLINE]

Das interessiert uns Bücherliebhaber nicht nur aus Mitgefühl. Wirtschaftsexperten sind der Meinung, dass die Entwicklung in den USA Rückschlüsse auf die Zukunft des Büchermarktes in Deutschland zulässt, dass auch hier Amazon und E-Book dem Ladengeschäft und letztendlich dem Buch als solchem den Garaus machen werden.

Ganz so pessimistisch bin ich für den deutschen Buchhandel dann aber doch nicht. Die Umsatzeinbußen entsprechen bisher denen, die andere Branchen auch zu beklagen haben. Das allein würde mich jedoch nicht beruhigen, käme nicht ein Weiteres hinzu: Die Liebe zum Buch als Objekt ist in Deutschland ausgeprägter als in den Vereinigten Staaten. Man muss sich im Vergleich nur einmal ein amerikanisches Taschenbuch anschauen und ein in Deutschland verlegtes. Alle Bücher, die ich mir in jüngster Zeit aus Amerika bestellt habe, sehen, mit Verlaub, besch…eiden aus. Ich bestelle nur antiquarische Bücher online. Alles, was im regulären Buchhandel zu haben ist, bestelle ich über meine Buchhandlung. Wenn ich ein Taschenbuch aus den USA abhole, besteht mein Buchhändler darauf, es in eine Tüte zu stecken, damit es in der Tasche nicht sofort „verschrabbelt“. Der Einband ist nicht veredelt, die Seiten sind aus billigstem Papier und die Seitenränder… Also, ein ansprechendes Layout sieht anders aus. Die Dinger signalisieren: „Ex und Hopp!“ Nebenbei bemerkt: Die Bücher aus England sehen nicht viel besser aus. Betrachtungen, ob die Billigmachart der mangelnden Wertschätzung von Büchern zu schulden ist, oder ob es sich umgekehrt verhält, und das äußerlich wenig ansprechende Buch eine solche Wertschätzung nicht hat entstehen lassen, sind müßig. In jedem Fall bin ich sicher, dass, hätte ich ausschließlich amerikanische Taschenbücher in die Finger bekommen, mir die Entscheidung fürs E-Book denkbar leicht fiele.

Grundsätzlich ist ja gegen digitale Reader auch nichts zu sagen. Ein Heuchler, wer so tut, als füge man dem verehrten Autor einen Tort zu, wenn man seine erhabenen aber doch am Computer geschriebenen Worte auch am Computer bzw. mit einem Reader liest. Wenn ich selbst dies nicht tue, so weil ich zu viele Jahre meines Lebens Bücher geliebt habe, um jetzt damit aufzuhören. Jüngere und spätere Generationen werden mit dieser Nostalgie nicht behaftet sein – es sei denn, schön gemachte Bücher erwecken und erhalten auch bei ihnen die Freude am Umblättern der Seiten.

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