Der Telegrafenberg im Südwesten Potsdams gehört zum Saarmunder Endmoränenbogen, und schon bei dem Wort „Endmoräne“ fühle ich mich in meine Schulzeit, in den Erdkundeunterricht zurückversetzt. Mit unserer Erde hat der Berg bis heute auch viel zu tun, denn dort befinden sich das Deutsche GeoForschungsZentrum, das Astrophysikalische Institut Potsdam, das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung und das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Für mich war die Hauptattraktion der Einsteinturm, der zwischen 1919 und 1924 von dem Architekten Erich Mendelsohn in Zusammenarbeit mit Albert Einstein und dem Astronomen Erwin Finley Freundlich erbaut wurde und mich schon auf Fotografien durch seine Modernität beeindruckt hatte. Nun will ich über all das aber gar nicht schreiben, zumal mein unscharfes Foto vom Einsteinturm mit dem noch viel unschärferen, dafür aber viel kunstvolleren von Hiroshi Sugimoto sowieso nicht konkurrieren kann.

Einsteinturm

Foto: Christa Hartwig

Ich denke, dass diejenigen, die sich dafür interessieren, dem oben angebrachten Link folgen und sich dann durch die Links auf der Wikipedia-Seite klicken können. Mir geht es um den Berg, und wie er zu seinem Namen kam, den er im Jahr 1832 erhielt, als dort eine optische Telegrafenstation errichtet wurde. Mittels eines sechs Meter hohen Mastes, an dem ein Flügelpaar befestigt war, übermittelte man Zeichen, welche über 62 Stationen und eine Distanz von 550 Kilometern zwischen Berlin und Koblenz weitergegeben wurden. Erfunden hatte das System Claude Chappe während der Französischen Revolution, und 1794 war die erste Telegrafenlinie zwischen Paris und Lille in Betrieb genommen worden. Bei Sauverne im Elsass ist ein solcher Telegrafenturm noch erhalten.

Nach Einführung der elektrischen Telegrafie wurde Chappes System nicht mehr benötigt. Die Vorstellung allerdings beglückt mich noch heute regelrecht, was vielleicht mit den in der Kindheit gelesenen Geschichten von den Rauchzeichen der Indianer zu tun hat. Auch in der altgriechischen Geschichte ist die Übermittlung von Nachrichten durch Feuerzeichenketten bis ins Jahr 1184 v.Chr. belegt. Kriege verhindert hat diese beinahe vorsintflutliche Technik aber auch nicht – weder bei den alten Griechen, noch bei den Indianern oder Franzosen. Und so sind meine Überlegungen, ob wir es noch ein bisschen länger beim „Winken“ hätten bewenden lassen sollen, nichts als nostalgische Schwärmerei.

Trotzdem winke ich euch jetzt mal zu -… ganz friedlich.

Chappe-Code

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