Von Literaturgeschichte möchte mancher, auch wenn er gerne liest, nichts hören. Geschichte, so sagt sich der Literaturnormalverbraucher, ist trocken, um nicht zu sagen staubtrocken. Ein spannender historischer Roman, das mag ja noch angehen, aber Literaturgeschichte …

Dass es auch anders geht, beweist wieder einmal Peter Braun mit „Eine etwas andere Literaturgeschichte“, so der Untertitel des schmalen Taschenbuchs im ungewöhnlich labberigen Softcover, das deshalb auch nur 6,90 Euro kostet.

Von Gotthold Ephraim Lessing bis zu Wolfgang Borchert führt die unterhaltsame literarische Zeitreise, und auch Wilhelm Busch ist ein Kapitel gewidmet.

„Im Jahr 48 trug auch ich mein gewichtiges Kuhbein, welches nie scharf geladen werden durfte, und erkämpfte mir in der Wachstube die bislang noch nicht geschätzten Rechte des Rauchens und des Biertrinkens.“ Nachdem Wilhelm Busch mit sechzehn sein ungeladenes Gewehr von der Schulter genommen und sich in der Revolution auf Seiten der Aufständischen seine neuen Rechte erstritten hatte, wurde er Kettenraucher. Zweimal starb er beinahe an einer Nikotinvergiftung, und auch das Biertrinken behielt er bei. Wilhelm Busch mochte einen ordentlichen Schluck und gutes Essen. Er blieb Junggeselle und schätzte ein zurückgezogenes Leben so sehr, dass er schon totgesagt wurde, als er noch lebte, doch das störte ihn nicht weiter, weil er seine Geburt sowieso für einen Fehler und den Ruhm, den er sich erwarb, für Schwindelware hielt. Deshalb, und weil er dicke Bücher, die über das Leben erzählen, als puren Schnickschnack ansah, machte er kurze Gedichte zu Bildergeschichten, mit denen er die gutbürgerliche Heuchelei aufspießte.

Ein guter Mensch gibt gerne acht,
Ob auch der andre was Böses macht;
Und strebt durch häufige Belehrung
Nach seiner Beßrung und Bekehrung.

Wilhelm Busch wurde im Todesjahr Goethes, 1832, geboren, er starb 1908, und sein Jahrhundert , das er gnadenlos betrachtete, gab ihm Gelegenheit genug, bissig, lästernd, verächtlich oder weise lächelnd zu sticheln, wobei er auch bei sich keine Ausnahme machte. Eigene Fehler, wie seine Schriftstellereitelkeit, nahm er spöttelnd aufs Korn.

Die Selbstkritik hat viel für sich.
Gesetzt den Fall, ich tadle mich,
So hab ich erstens den Gewinn,
Daß ich so hübsch bescheiden bin;
Zum zweiten denken sich die Leut,
Der Mann ist lauter Redlichkeit;
Auch schnapp ich drittens diesen Bissen
Vorweg den andern Kritiküssen;
Und viertens hoff ich außerdem
Auf Widerspruch, der mir genehm.
So kommt es denn zuletzt heraus,
Daß ich ein ganz famoses Haus.

Cover:

Peter Braun
Von Taugenichts bis Steppenwolf
BTV Berliner Taschenbuch Verlag. 2006
ISBN 3833350199 / 978-3833350191