Für Baruch Spinoza (1632-1677) „ist Liebe als menschlicher Affekt Freude, verbunden mit der Vorstellung einer äußeren Ursache. Philosophisch betrachtet gründe sich die Liebe in der Erkenntnis von Gottes Wesen. Wachsende Erkenntnis und Bejahung des Notwendigen sei zugleich wachsende Liebe zu Gott. Diesen höchsten vom Menschen zu erreichenden Zustand nennt Spinoza ‚amor Dei intellektualis‘. Da Spinoza eine pantheistische Weltsicht hatte und für ihn das menschliche Bewußtsein ein Teil des göttlichen Bewußtseins ist, ist diese Liebe die Selbstliebe Gottes.“ (Peter Möller)

In „Dichtung und Wahrheit“ schrieb Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832): „Die alles ausgleichende Ruhe Spinozas kontrastierte mit meinem alles aufregenden Streben […] und […] machte mich zu seinem leidenschaftlichen Schüler, zu seinem entschiedensten Verehrer.“

Mit schier unglaublicher Finesse verdichtete Johann Wolfgang von Goethe Spinozas Theorie zu einem einzigen Satz und legte ihn Philine, einem leichtfertigen Theatermädchen in den Mund: „Und wenn ich dich lieb habe, was geht‘s dich an…“. (Wilhelm Meisters Lehrjahre)

Möglich, dass auch die Schriftstellerin Kathinka Zitz-Halein (1801-1877) Spinoza gelesen hat. Sicher ist, dass sie Goethe gelesen hat, denn am Ende ihres schriftstellerischen Schaffens verfasste sie ein elfbändiges Werk über ihn. Zu ihren Gedichten gehört auch dieses:

Was geht es dich an

Wenn dir mein Auge mit trunknem Entzücken
Folget, so weit es dich sehen nur kann.
Wenn deine Worte mich innig beglücken,
Wo ich sie höre – was geht es dich an?

Bist du der Stern mir, der Strahlen versendet
Auf meines Lebens umdüsterte Bahn,
Bist du die Sonne mir, die mich verblendet,
Wenn ich dir gut bin, was geht es dich an?

Bist du die Gottheit, die still ich verehre,
Zu der ich hohes Vertrauen gewann
Und ihr im Herzen errichtet Altäre –
Wenn ich dich liebe, was geht es dich an?

Wenn ich nichts fordre, so mußt du es dulden,
Was ich an Opferrauch für dich ersann;
Was ich auch leide, ist nicht dein Verschulden,
Und wenn ich sterbe, so geht’s dich nichts an.

Und ob Udo Jürgens von Spinozas Philosophie, Goethes Roman oder Kathinka Zitz-Haleins Gedicht inspiriert wurde, oder ob der Gedanke da schon quasi in der Luft lag……

Dass ich dich liebe, was geht es dich an
Lyrics von Udo Jürgens

Seltsames Spiel von Gefühl und Verstand,
kopflos für dich voll in Flammen,
bin ich bei dir gegen Wände gerannt,
wir kamen niemals zusammen.
Auch wenn ich denke, es war Illusion,
Flimmern und Zuneigung bleiben.
Ich hab‘ kein Echo bei dir,
doch will ich schon, das was ich spür‘,
nicht vertreiben.
Weil’s für Gefühl kein Verbot geben kann,
dass ich dich liebe, was geht es dich an?
Dass ich dich liebe, was geht es dich an?

usw., usf.

„Wenn man den Spinoza einst aus seiner starren, altkartesianischen, mathematischen Form erlöst, und ihn dem großen Publikum zugänglicher macht, dann wird sich vielleicht zeigen, daß er mehr als jeder andere über Ideendiebstahl klagen dürfte.“

(Heinrich Heine (1797-1856) in „Die romantische Schule“)

Advertisements