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Wer ausschließlich der leichten Lektüre zugeneigt ist, wird eher nicht auf „Sinn und Form“ abonniert sein. Die im 63. Jahr von der Akademie der Künste herausgegebenen „Beiträge zur Literatur“, so der Untertitel, sind oft eher schwere Kost, und manches wird auch mir zur Pflichtlektüre. Das meine ich keineswegs kritisch. Sich hin und wieder einer Pflichtübung zu unterziehen – auch lesend, auch in der Freizeit, erinnert mich an meine Schuljahre und an den fast kindlichen Glauben, dass Fleiß belohnt wird, und dass das Wissen, von dem man heute sich kaum vorstellen kann, es jemals zu brauchen, irgendwann den fehlenden Stein zu einem Mosaik liefern könnte. Hin und wieder erfolgt die Belohnung unmittelbarer als erwartet. Das gerade erschiene Erste Heft 2011 ist für mich so eine Belohnung für regelmäßige „Sinn und Form“-Lektüre.

Da wären zunächst die Gedichte von Julia Hartwig und das Interview mit der polnischen Lyrikerin, die für mich eine Neuentdeckung ist, und der ich einen gesonderten Eintrag widmen möchte. Da ist aber auch der Essay von Martin Mosebach „Wer einen Roman schreibt – sollte der wissen, was ein Roman ist?“

Was mir Martin Mosebach sympathisch macht, ist u.a. das Eingeständnis, dass er trotz seiner Neigung zur Literatur „einen ausgeprägten Widerwillen gegen jede Art von literarischer Theorie verspürte“, bis er dann doch seinen Romantheoretiker fand: Erich Auerbach, dessen „Mimesis“ er mit einer Liebe gelesen hat, „die nur ein Buch in uns wecken kann, das uns in unseren Anschauungen bestätigt“.

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