Auf den Titel stieß ich kürzlich als Quellenangabe in einem Wikipedia-Artikel. Gestern konnte ich das Buch bei meinem Buchhändler abholen und lief gleich damit im Büro herum. Der feste Buchdeckel ohne Schutzumschlag, der in Leinen gefasste Buchrücken, die fühlbare Nut am Bundsteg, … einhellige Kollegenmeinung: „Wie schön! Wie liebevoll gemacht! Das erinnert an unsere alten Schulbücher.“ Und obwohl ich noch keine Zeit hatte, mehr zu tun, als kurz darin zu blättern, hatte ich plötzlich so etwas wie eine sehr positive Vision.

Wir, die wir heute sagen, das Buch wird nie vom E-Book verdrängt werden, weil es einfach ein anderes Gefühl ist, die Seiten eines Buches umzublättern, müssen schon zugeben, dass die E-Book-Reeder haptisch und optisch schöner geworden sind, und dass das, was vielen von uns Achtundvierzigern und Achtundsechzigern unverzichtbar erscheint, für die Achtundachtziger und Zweitausendachter durchaus nicht mehr unverzichtbar sein muss – es sei denn, diese entdecken ihre Liebe zum Buch als schönem (Kunst-)Objekt. Die Chancen dafür stehen nicht schlecht, denn tatsächlich erscheinen immer mehr Bücher, die hohen ästhetischen Ansprüchen genügen – Bücher die sehr liebevoll, handwerklich aufwendig und künstlerisch gestaltet sind. Nichts spricht dagegen, dass auch die Generationen, für die der Umgang mit dem E-Book-Reeder die selbstverständlichste Sache der Welt sein wird, ihre Lieblingsbücher noch immer als schön gestaltetes Buch im Regal haben möchten – so wie man sich ein Gemälde oder eine gerahmte Zeichnung oder Fotografie an die Wand hängt und nicht nur eine Projektion davon haben möchte.

Die Vorstellung, dass Bücher als Massenprodukt in großen und riesigen Auflagen verschwinden könnten, das schöne Buch aber eine Bedeutung erlangt, wie zu den Blütezeiten des Buchdruck- und Buchbinderhandwerks, euphorisiert mich geradezu.

Rainer Groothuis
Wie kommen die Bücher auf die Erde?
Dumont Buchverlag, Erstverkaufstag: 28.09.2007
160 Seiten, Hardcover
ISBN 978-3-8321-8046-1

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