Much ado about nothing, wenn man mich fragt. Viel Lärm um nichts. Wenn es um Google geht, spaltet sich die Persönlichkeit in die eine Hälfte, die alles wissen möchte, und die andere, die nichts preisgeben will – es sei denn in Talkshows auf der Studiocouch über Intimstes schwadronierend, oder in der Öffentlichkeit lauthals einen sehr privaten Streit per Handy austragend, oder bloggend, wann aufgestanden, wieviel Kaffee getrunken, wie lange mit der Freundin…

Was also soll das Geschrei?

Mich hat es kalt gelassen, ob man das Haus, in dem ich wohne, street-viewen kann oder nicht. Kenner meiner Verhältnisse mögen sagen: Kunststück! Du wohnst ja auch nicht direkt an der Straße.
Stimmt. Aber schon vor street view konnte man mit Google Earth das Haus so dicht heranzoomen, daß man hätte sehen können, ob ich die Fenster geputzt habe oder nicht.

Dieselben Leute – jedenfalls vermute ich, daß es zu einem guten Teil dieselben sind – schütten sich jetzt aus vor Lachen über die lustigen Szenen, welche Google da auf den Straßen vor die Kamera gekommen sind. Noch beliebter sind peinliche Szenen. Vorsicht Kamera. Pleiten, Pech und Pannen. Wir lieben es. Wir schütten uns gerne aus.

Ich habe, nachdem street view vor einigen Tagen in zwanzig deutschen Städten, natürlich auch in der Hauptstadt online gegangen ist, die Gelegenheit genutzt, einen digitalen Spaziergang durch die Gegend zu machen, in der ich aufgewachsen bin. Dabei habe ich festgestellt, daß die moderne Technik durchaus poetisch sein kann.

Mein ersten street view poem folgt.

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