Die abschließende Grußformel „Mit den besten Empfehlungen“ ist aus der Mode gekommen, und ich trauere ihr nicht nach, denn meistens suchte ich vergeblich nach den angefügten/angehängten Empfehlungsschreiben. Da sie fehlten, war mir nie ganz klar, was das bedeuten sollte. Und was soll das denn bitte heißen, wenn ein Mann zu einem anderen sagt: „Bitte empfehlen Sie mich Ihrer Gattin“? – „Als was?“ wäre da die berechtigte und nicht ohne Argwohn zu stellende Frage.

Nicht aus der Mode gekommen dagegen ist die Empfehlung als solche, aber auch sie ist nicht unproblematisch – noch dazu in Zeiten, in denen uns die Werbung ständig alles mögliche empfiehlt, so dass jede weitere Empfehlung eigentlich nur Unmut erzeugen kann. Gut beraten ist also jeder, der sich mit seinen Empfehlungen zurückhält, bis er ausdrücklich darum gebeten wird. Besonders Frauen, scheint mir, sind aber schwer zu bremsen, wenn es darum geht, etwas zu empfehlen, womit sie selbst zufrieden sind oder eine gute Erfahrung gemacht haben -– sei es eine Strumpfhosenmarke, eine Diät oder ein Schnellkochtopf, es wird empfohlen auf Teufel komm raus! Dabei spielt es keine Rolle, ob die so Beratene nicht nur keine Stützstrümpfe braucht, sondern darin Beklemmungen bekommt, keine fünf Kilo in einer Woche abnehmen möchte und, wenn überhaupt, lieber langsam kocht.

Lustig wird es immer, wenn eine Frau ihren Friseur empfiehlt, und die andere ihr Entsetzen kaum zu verbergen weiß.
Das Unangenehme an Empfehlungen ist nämlich, daß der Empfehlende Dank erwartet und die Versicherung, daß man seinem Rat folgen oder dies zumindest in wohlwollende Erwägung ziehen wird. Weist man eine Empfehlung zurück, tut man dies besser mit einer verdammt guten Begründung oder wappnet sich für eine längere Diskussion. Sowas kann eine zwischenmenschliche Beziehung dauerhaft belasten.

Richtig delikat aber wird es bei der Empfehlung von Büchern. Was ein Buch, bei dem es sich ja nur um gebundenes bedrucktes Papier handelt, zur Lektüre macht, ist ein sehr komplexes Zusammenspiel zwischen dem, was der Autor geschrieben hat, und dem, was es im Kopf des Lesers bewirkt. Wenn meine Töchter sich Bücher von mir ausleihen (oder ich mir von ihnen), dann üblicherweise etwas, das wir im Bücherschrank der anderen selbst entdeckt haben. „Das Empfehlen oder gar Aufdrängen von Büchern“ geht oft ins Auge. Das richtige Buch zum richtigen Zeitpunkt zu lesen erfordert Instinkt -– das fast magische Zusammenwirken von Verstand und sämtlichen Sinnen.

Wer sich von seinem Instinkt leiten läßt, wird selten enttäuscht. In Zeiten der Reizüberflutung ist instinktiv richtiges Entscheiden nicht leicht. Es gilt also der Flut der Reize, wozu auch Empfehlungen und Werbung zählen, zu trotzen. Und das wiederum ist eine Empfehlung, die ich guten Gewissens aussprechen kann.

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