Die deutsche Tageszeitung F.A.Z. mit der höchsten Auslandsverbreitung bietet den Lesern der Online-Ausgabe die Möglichkeit, ihren eigenen Schreibstil mit dem bekannter Autoren zu vergleichen. Entwickelt hat den Algorithmus, der wie ein Spam-Filter funktioniert, ein Russe namens Dmitry Chestnykh, dessen Internetseite „I write like“ bald unglaubliche Klickzahlen verzeichnete. Der Chefredakteur der F.A.Z. soll fortan behauptet haben, wie Oscar Wilde zu schreiben. Das Frustrierende für die nicht englischsprachigen Probanden war, daß der Vergleich ihres Schreibstils -– denn in anderen Sprachen war ein Vergleich nicht machbar -– hinter ihren Möglichkeiten zurückblieb. Also wurde Dmitry Chestnykh gebeten, sein Programm mit Texten deutscher Autoren zu füttern, und er hat es getan.

Wie kaum anders zu erwarten, erlag ich der Versuchung -– obwohl ich diesem Test nur Unterhaltungswert beimesse. Die Ergebnisse – denn mit einem einzigen Test gab ich mich nicht zufrieden, sondern benutzte dafür die ersten 24 Kapitel von „Leben mit Martin“ irritierten mich dann doch einigermaßen. 6 x schreibe ich wie Peter Handke, 4 x wie Thomas Hettche, 4 x wie Ildikó von Kürthy, 2 x wie Alexa Hennig von Lange, 2 x wie Grillparzer und jeweils ein Kapitel wie Sibylle Berg, Uwe Tellkamp, Charlotte Roche (huch!), Melinda Nadj Abinji, Franz Kafka und Ingo Schulze.
Mal abgesehen davon, daß der Vergleich mit Charlotte Roche mich doch heftig an der Richtigkeit der Testergebnisse zweifeln ließ, denn von Feuchtgebieten (gleich welcher Art) handelt mein Roman eher nicht, und abgesehen davon, daß ich meistens wie ein Mann schreibe (15 : 9), läßt sich hier aber doch nachweisen, daß ich nicht abschreibe oder stilistisch nachahme. Von der Mehrzahl der vorgenannten Autoren steht nichts in meinem Bücherschrank. Zu denken gibt allerdings Peter Handke.

1967/68 war im nicht mehr existierenden Berliner Forum-Theater Handkes „Publikumsbeschimpfung“ ein Dauerbrenner. Und zu eben jener Zeit jobbte ich dort als Garderobiere, riß Eintrittskarten ab und wies Plätze an. Ich habe das Stück so oft gesehen, daß ich ohne Text auch als Souffleuse hätte einspringen können, nur brauchten Hans-Werner Bussinger, Reinhard Jahn, Manfred Lehmann und Michael Rüth keine Souffleuse. Sie kannten Handkes Text, der wirklich eingängig war. Aber sollte er mich bis heute geprägt haben???!!!
Ich gebe zu, mein Weltbild war da noch in der Entstehung und veränderte sich vermutlich durch die eindeutigen Angebote von Personen beiderlei und manchmal auch nicht eindeutigen Geschlechts sowie mehrere Vergewaltigungsversuche durch den Königspudel „der Kasse“ (Auf keinen Fall bücken, wenn dieser Hund in der Nähe ist!). Aber mein Schreibstil durch Handke und noch nach über vierzig Jahren???!!!

Langen Sinnierens kurzer Sinn: Ich wollte Euch ja eigentlich nur diesen lustigen Link noch mal bloggen. Vielleicht hat ja jemand Lust, seinen Schreibstil auch zu testen.

FAZ.NET: Ich schreibe wie… [Nachtrag vom 19.07.2015: Link ersetzt, da das Original nicht mehr funktioniert]

Besonders Ambitionierte können ja solange schreiben und testen, bis dieses Programm endlich hergibt, daß sie wie sie selbst schreiben (was es beim Eingeben der Texte bekannter Autoren nämlich nicht unbedingt tut).

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