IMG_1551_opt

Hättest du je ein Lächeln mir geschenkt,
ein einziges Geheimnis mir vertraut,
Freund wärst du mir gewesen zeit meines Lebens.
Kraft deines Amtes hast du mich gelenkt,
geglänzt, nur damit alles auf dich schaut,
wenn ich dich brauchte, suchte ich vergebens.

Hab ich nicht oft dich eingeladen: Steig herab.
Bring deinen Glanz in die Wildnis meines Gartens.
Du schienst für alle da und warst es für keinen.
Heut, wenn es Abend wird, sage ich dir ab.
Vorbei die Zeit des unbelohnten Wartens.
Heut wird ein andrer lächeln und mir scheinen.

Plissiert wie von Lachfalten ist sein Gesicht.
Menschenwerk ist er und zerbrechlich,
sein Schicksal hängt an einem Zweig im Wind.
Den weiten Weg mir leuchten kann er nicht,
den nächsten Schritt nur, doch dies unbestechlich
und gütig, als täte er es seinem eignen Kind.

Schwören soll ich bei dir? Von all den Schwüren
haben zu viele sich ins Gegenteil verkehrt.
Kein Wunder, dass man dich den Wandelbaren nennt.
Lern du vom Freund, wie es ist zu spüren,
dass du nur leuchtest, weil ein Feuer sich verzehrt.
Lerne von mir, zu achten, dass er nicht verbrennt.

© Christa Hartwig

(Sehr lieben Dank an Villa für das Foto.)

Advertisements