Aus dem Werk von Max Frisch (1911 – 1991) sind die Tagebücher „1946-1949“ und „1966-1971“ nicht wegzudenken. In ihnen fand er zu der ihm am meisten entsprechenden literarischen Form, verband Autobiographisches mit Fiktion, Impressionen mit Statements zu aktuellen Ereignissen und setzte sich mit sich selbst auseinander. Man könnte sagen, er schrieb ein Blog von hohem Niveau, nur dass das Bloggen da eben noch nicht erfunden war.

Nun fand sich das Typoskript zu einem weiteren Tagebuch im Zürcher Max-Frisch-Archiv. Der Schriftsteller hatte es im Frühjahr 1982 begonnen und ein Jahr später kommentarlos abgebrochen – ein Fragment also, und Adolf Muschg, ebenfalls Schweizer Schriftsteller und von 2003 bis 2005 Präsident der Akademie der Künste, wetterte, die Veröffentlichung sei nicht im Sinne des Autors. Davon hat der Herausgeber dieses letzten Frisch-Tagebuchs, Peter von Matt sich nicht beirren lassen, was mich außerordentlich freut.

Ich zitiere aus DER SPIEGEL Nr. 14/3.4.10:

„Es langweilt mich jeder Satz, den ich geschrieben habe, es hilft auch nicht, dass ich Wörter umtausche in meinem Turm, und das ist es, was ich tagelang mache; ich tausche Wörter gegen Wörter.“
[…] und schon diese Notiz zeigt, wie leicht und scheinbar leichthin er immer noch schreiben konnte, selbst über die Qual der nachlassenden Kräfte.
Um Potenz in jedem Sinne ging es ihm, auch um jene, die mit der Kreativität aufs Innigste verkoppelt ist. „Wann gibt man die geschlechtliche Impotenz zu?“ fragte er sich. Warum finde man sich nicht einfach ab „ein für allemal“? Seine Antwort: „Weil in Träumen die Sexualität nicht schwindet, im Gegenteil, und weil auch auf Impotenz kein Verlass ist.“

Na, wenn das den älteren von uns Mädchen nicht zum Trost gereicht!

201004081838
Max Frisch
Entwürfe zu einem dritten Tagebuch
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main, 2010
216 Seiten
17,80 Euro

Und natürlich habe ich es mir bestellt.

Am 11. Mai 2010 um 19.30 Uhr findet im Museum Dahlem, Lansstraße 8, 14195 eine Buchpräsentation statt mit einem Gespräch mit dem Herausgeber Peter von Matt und einer Lesung durch den Schauspieler Wolfgang Condrus.

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