Nach „Früher war mehr Lametta“ (2005) und „Früher war noch mehr Lametta“ (2007) hat Daniel Kampa im vergangenen Jahr die Serie für den Diogenes Verlag mit „Früher war mehr Bescherung“ fortgesetzt.

Für mich begann das Lesen des Buches gleich mit einer Enttäuschung. Andrea Camilleri, dessen sizilianische Commissario Montalbano-Romane ich mit Vergnügen lese, glänzt mit seinem tristen Abgesang auf den Weihnachtsmann nicht unbedingt. Und wer bei Vicky Baums „Weihnachtskarpfen“ auf ein glückliches Ende hofft, tut dies ebenfalls vergeblich. Wessen Weihnachtsstimmung danach noch eines Dämpfers bedarf, der dürfte geheilt sein, wenn er sich nach der Lektüre von David Sedaris’ Feiertags-Rundbrief fragt, ob Mrs. Dunbar ihren Enkel selbst umgebracht hat, oder ob es doch, wie sie behauptet, Que Sanh war, von Mr. Dunbar vor 22 Jahren in Vietnam gezeugt, die der englischen Sprache kaum mächtig, statt „watch baby“ – „wash baby“ verstanden hatte. Ein Trost nur, dass die Autopsie später ergab, dass das drogengeschädigte Schreikind Don vor dem Schleudergang bereits tot war.
Die verschreckte Leserin (ich) fragte sich jedenfalls, wie viel schlimmer Weihnachtsgeschichten noch sein können, und empfand dann auch die folgenden als geradezu tröstlich, ja, teilweise vergnüglich, wie Muriel Spark’s „Weihnachtsfuge“, in welcher die Protagonistin am 25. Dezember den zu Recht oder zu Unrecht gerühmten „Sex über den Wolken“ genießt.

Wirklich gefallen haben mir die von Joseph Roth und Ernest Hemingway beschriebenen Szenen, und der letzte Absatz von John Updike „Weihnachtssingen“ fasst vielleicht den Sinn dieser Anthologie zusammen:

Warum bloß? Warum machen wir das? Kommen hier Jahr für Jahr zusammen, so regelmäßig wie die Sonnenwende, und singen diese alten Sachen, die einem das Herz brächen, wenn man auf die Wörter achtete. Stille, Dunkelheit, Jesus, Engel. Besser man singt, als das man zuhört, scheint mir.

Früher war mehr Bescherung
Hinterhältige Weihnachtsgeschichten
Herausgegeben von Daniel Kampa
Diogenes Verlag, Zürich, Oktober 2008
320 Seiten
ISBN 978-3-257-23775-7

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