… das Buch, das ich gerade gelesen habe.

[…] In dieser Nacht und in allen folgenden Nächten liebten wir uns ausgelassen und mit unwandelbarer Leidenschaft, bis die Möbel des Hauses den schimmernden Glanz von Gold annahmen.
Und danach liebten wir uns einfach noch eine vernünftige Zeit lang, bis die Liebe sich allmählich abnutzte und in Fetzen ging.
Oder vielleicht kam es auch nicht so. Vielleicht hatten wir das Glück, auf eine außergewöhnliche Liebe gestoßen zu sein, und ich brauchte sie nicht zu erfinden, sondern nur festlich einzukleiden, damit sie im Gedächtnis fortdaure, getreu dem Grundsatz, daß es möglich ist, sich die Wirklichkeit nach den eigenen Wünschen zu erschaffen. Ich habe ein bißchen übertrieben, als ich zum Beispiel schrieb, daß unsere Flitterwochen überschwenglich waren, daß der Geist dieses urigen Dorfes und die Ordnung der Natur in Aufruhr gerieten, die Gassen von Seufzern beunruhigt wurden, die Tauben in den Kuckucksuhren Nester bauten, die Mandelbäume des Friedhofs in einer Nacht aufblühten und Onkel Ruperts Hündinnen vor der Zeit heiß wurden. Ich habe geschrieben, daß während dieser gesegneten Wochen die Zeit sich dehnte, sich zusammenrollte, sich umkehrte wie das Tuch eines Zauberkünstlers, und daß schließlich Rolf Carlé – als sein feierlicher Ernst zu Staub geworden war und die Eitelkeit in den Himmel gewachsen – seine Albträume zum Teufel schickte und wieder die Lieder seiner Jugend sang und daß ich den Bauchtanz tanzte, den ich von Riad Halabi in der Küche gelernt hatte, und lachend und Wein trinkend viele Geschichten erzählte, darunter einige mit glücklichem Ende.

aus:Isabel Allende „Eva Luna“

Und das scheint mir doch durchaus angemessen, sowohl das“Oder vielleicht …“ anstelle des „Und wenn sie nicht gestorben sind…“ als Ende eines märchenhaften Romans, wie auch die Vorstellung, die Liebe festlich zu kleiden, was das Recht aller Liebenden ist.

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