Du stellst Fliederzweige in die schönste Vase,
beugst dich vor und vergräbst darin die Nase,
doch beim Einatmen gibt es dir einen Stich,
denn die Fliedervase duftet nur für dich.

Du gibst dir Mühe und trägst dein schönstes Kleid,
richtest dich her und nimmst dir vor dem Spiegel Zeit,
möchtest gefallen, denn das ist der Sache Sinn.
Na, dann stell dich noch mal vor den Spiegel hin.

Wenn den Tisch mit Kerzenschimmer du bereitest,
zögerst du zwar, doch dann stellst du noch ein zweites
Glas darauf und schenkst in beide ein,
doch aus beiden Gläsern trinkst du dann allein.

Vor dem Zubettgehen bürstest du dein Haar,
und vor dem Einschlafen denkst du, was einmal war,
dann musst du nur zwei Finger noch zum Munde führen
und fest dran glauben, dass zwei Lippen dich berühren.

Und bist du dann in der Nacht,
weil der Vollmond scheint erwacht,
streck die Hand aus, und dann merkst du bald,
dort wo du nicht liegst, da ist das Laken kalt.

© Christa Hartwig

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