Zwischen dem Jahr 1870, in welchem die sechsjährige Ricarda Huch anfing, ihr erstes Tagebuch zu schreiben, und dem Jahr 1946, in dem sie ein Manuskript mit von ihr ausgewählten und kommentierten Auszügen aus diesem Tagebuch für den Wiederaufbau der Stadt Jena, wo sie ihre letzten Lebensjahre verbrachte, stiftete, liegt ein Menschenleben, geprägt von Zielstrebigkeit und ungeheurem Fleiß, aber auch von verzehrender Leidenschaft und allen damit einhergehenden Irrungen und Wirrungen – eine mehrfach gebrochene Biographie. Und es sind nicht diese scheinbaren Widersprüche, die mich innerlich aufschreien lassen, sondern die sicher redlich gemeinten Bemühungen der Chronisten, die jene Biographie am liebsten erst mit Ricarda Huchs mutigem Austritt aus der Preußischen Akademie der Künste beginnen lassen würden. Man präsentiert uns eine große alte Dame aller Ehren wert, die es verdient hat, dass man über ihre Jugendtorheiten hinwegsieht. Ich aber glaube, dass jeder Mensch, auch der ehrwürdigste, es verdient hat, in seiner Ganzheit angenommen zu werden, denn dorthin, wo er anzukommen ist, ist er nicht vom Himmel gefallen, sondern es hat jeden einzelnen Schrittes auf einem langen Weg bedurft.

Riacarda Huch: Tagebuch (Cover)
Ricarda Huch: Tagebuch
Ricarda Huch: Tagebuch
Ricarda Huch: Tagebuch
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Ricarda Huch: Tagebuch
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