Ein Meister der Personenbeschreibung ist James Salter. Aus seinem Roman „Lichtjahre“ möchte ich nur dieses eine Beispiel anführen:

Eve war groß. Sie hatte hohe Wangenknochen. Sie hielt sich nicht gerade, wenn sie ging. Die Regale in ihrem Wohnzimmer bogen sich unter dem Gewicht der Bücher. Sie arbeitete in einem Verlag. Ach, du hast bestimmt noch nichts von ihm gehört, sagte sie.
In ihrem Leben blieb immer alles liegen – unbeantwortete Briefe, Rechnungen auf dem Boden, die Butter stand die ganze Nacht über auf dem Tisch. Vielleicht war das der Grund, warum ihr Mann sie verlassen hatte; er war noch hilfloser als sie. Sie war wenigstens fröhlich. Sie trat in hübschen Kleidern aus dem Chaos ihrer Diele heraus wie eine Frau, die im barrio lebt und – vorbei an Straßenhunden und Schmutz – zu einer Limousine geht.

Mit wenigen und sprachlich ebenso schlichten wie schönen Sätzen beschreibt Salter auch das Leben, familiäre und erotische Szenen, die sich vor dem geistigen Auge entfalten wie die Blüten eines uns bekannten Strauches, dessen Namen wir nun erfahren haben. Als Autor kann man von ihm lernen, als Leser genießt man ihn einfach.

Das Porträt einer Ehe, von Salter, der heute seinen 84. Geburtstag feiert, so einfühlsam gezeichnet, ist mehr als lesenswert.

James Salter
Lichtjahre

Berlin Verlag (Februar 1998)

ISBN-10: 3827000955
ISBN-13: 978-3827000958

Auch als Taschenbuch erhältlich.

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