Es gibt ja immer wieder Leute, die behaupten, der Name, den man einem Kind gibt, sei von entscheidender Bedeutung für dessen späteres Leben, ein Vorzeichen sozusagen. Ich halte von dieser Theorie nicht viel. Ich glaube eher, dass der Geschmack der Eltern bei der Namensgebung etwas mit deren Herkunft, Bildung und Ambitionen zu tun hat, und das ist es, was auf die Kinder einen Einfluss nimmt, der später mit dem Namen erklärt wird. Und wie ist es mit den Nachnamen? Da können auch die Eltern wenig dran ändern. Okay, Frauen haben (vielleicht) noch die Wahl, wenn es um das Annehmen eines Ehenamens geht, und es erscheint mir nicht mehr als recht und billig, wenn Männern diese Möglichkeit inzwischen auch offensteht, aber… im Ernst… hat man je von Eltern gehört, die zum Beispiel ihrer Tochter raten: „Mädchen, such Dir einen Mann mit einem Nachnamen, der nach Erfolg klingt. Denk an die Kinder, die ihr möglicherweise einmal habt.“

Mumpitz! (Also, Mumpitz wäre als Nachname natürlich nicht wirklich toll.)

Für mich ergibt sich das Problem öfter als für Menschen, die sich lediglich Namen für ihre ein bis zehn Kinder ausdenken müssen, nämlich jedes Mal, wenn ich eine Geschichte schreibe. Wie sollen meine Personen heißen? Sind es zu gebräuchliche Namen, liest es sich gleich wie ein Groschenroman. Sind die Namen sehr außergewöhnlich, vergewissert man sich besser, ob es jemanden gibt, der tatsächlich so heißt, und mich im Zweifelsfall der üblen Nachrede beschuldigt.

Ich erinnere mich an dieses Lied von Johnny Cash aus den Siebzigern: „A Boy Named Sue“. Da behauptet er ja, sein Vater hätte ihm den Namen Sue gegeben, und dies mit der (nachgereichten) Erklärung, damit ein richtig harter Kerl aus ihm wird. – Davon halte ich auch absolut nichts. Ich meine, einem Kind einen Namen zu geben, für den es mit Sicherheit ausgelacht wird, in der Absicht, es dazu zu bringen sich durchzusetzen, der Schuss kann nach hinten losgehen. Als ob es nicht schon genug Leute gäbe, die sich auf ihre schlimme Kindheit herausreden.

Was allerdings auch ich sehe, ist, dass einem ein Name gewisse Beschränkungen auferlegen kann, besonders was die Berufswahl angeht. Das gilt aber für sehr viele Namen. Als Fleischermeister Bäcker zu heißen ist zwar kein absolutes Handicap aber auch nicht optimal.

Nehmen wir mal an, jemand heißt Tode. Den Nachnamen gibt es (18 mal im Telefonbuch), und es ist auch kein so ganz schrecklicher Name. Das ‚e’ würde sich mancher gerne kaufen, wenn er etwa nur Tod heißt. Aber mit dem Namen Tode sollte man es sich zweimal überlegen, bevor man einen Zeichenkurs belegt in der Hoffnung, sich fortan seinen Lebensunterhalt mit Portraitzeichnen zu verdienen. Wer möchte schon vom Tode gezeichnet sein?

Unter eben diesem Titel „Vom Tode gezeichnet“ fand ich jedoch kürzlich eine besuchenswerte Seite, auf der jede Woche ein neuer Cartoon erscheint. Dass dort kein Herr Tode, sondern Michael Holtschulte verantwortlich zeichnet, tut der Sache keinen Abbruch. Also, mal hinschauen!

TOT ABER LUSTIG

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