Nie mehr wirst du beim Discounter kaufen.
Nie mehr wirst du trinken, nur weil andere saufen.
Nie mehr willst du Zigaretten rauchen.
Nie mehr wirst du das Wort „nie“ gebrauchen
Nie mehr willst du auf falsche Freunde hören.
Nie mehr wirst du auf die Bibel schwören.
Nie mehr selbstbräunende Sonnencreme verwenden.
Nie mehr an obskure Organisationen spenden.

Es sind nicht deine Worte, die ihn rufen.
Über Deine Vorsätze lacht er wie der mit den gespaltenen Hufen.
Die verwesende Hoffnung lockt ihn herbei.
Das Tabu der Erinnerung, der lautlose Schrei.

Nie mehr dein Kind in den Armen wiegen.
Nie mehr an der Seite des Geliebten liegen.
Nie mehr ihm entgegen laufen im Regen.
Nie mehr den Kopf an seine Schulter legen.
Nie mehr seine Finger in deinem Nacken spüren.
Nie mehr seine Hand zwischen deine Schenkel führen.
Nie mehr versuchen, mit großen Schritten Schritt zu halten.
Nie mehr Götter. Nie mehr Lichtgestalten.

Freilich hast du gelernt, damit umzugehen.
In den Dingen nur das, was sie sind, zu sehen.
Mit einem Lächeln hast du dich vor dir selbst getarnt.
Hast ein System, das vor schmerzhaften Erinnerungen warnt.

Er wittert die nicht mehr geweinten Tränen
und geht dir mit messerscharfen Zähnen
an die Kehle, in der du das Schluchzen erstickst,
während du, gelähmt vor Schmerz, in die Augen ihm blickst.
Kennst du ihn, weißt du, dass ich nicht übertreibe,
du stirbst einen Tod bei lebendigem Leibe
und wünscht dir nichts mehr, als wirklich zu sterben,
während die ungeweinten Tränen die Lider dir gerben.

Du schließt Schubladen im Kopf, bis du glaubst, sie sind leer.
Und irgendwann glaubst du, es sei gar nicht so schwer.
Du darfst eben nur diese zwei Worte nicht denken.
Und der Gedanke reicht aus, seinen Blick auf dich zu lenken.
Ob in einem Gebüsch oder hinter einer halboffenen Tür.
Er lauert auf dich mit todsicherem Gespür.
Ob zwischen den Beinen der Passanten wie ein streunender Hund
stürzt er hervor und geht dir an den Schlund.

Der Niemehrwolf

© Christa Hartwig

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