Friedrich von Ribbeck

Friedrich von Ribbeck

…, den Herrn von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland. Und das ist er, bzw. das ist der Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Urenkel von diesem hier, der so gerne Birnen an die Kinder verschenkte und, weil er seinen eigenen Sohn (den Neuen) für einen Geizkragen hielt, um eine Birne ins Grab bat.

Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland

Der jetzige Neue hat sich von Kindern über seine Familiengeschichte befragen lassen. Tatsächlich besitzt er hunderte von Birnenbäumen und brennt auch Birnenschnaps

Das Gedicht von Theodor Fontane ist die erste Ballade, die ich als Schulkind auswendig lernte – und mit mir ungezählte Schulkinder. Mir scheint, es gehörte zum Unterrichtsstoff sämtlicher Grundschulen in den alten Bundesländern. Umso erstaunter war ich, als sich herausstellte, dass Villa das Gedicht nicht kannte. Die Gründe dafür, dass es in der DDR für eine für die sozialistische Jugend ungeeignete Lektüre galt, besser gesagt, totgeschwiegen wurde, lassen sich auf der Homepage der Familie von Ribbeck erfahren.

Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland

Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland,
Ein Birnbaum in seinem Garten stand,
Und kam die goldene Herbsteszeit
Und die Birnen leuchteten weit und breit,
Da stopfte, wenn’s Mittag vom Turme scholl,
Der von Ribbeck sich beide Taschen voll,
Und kam in Pantinen ein Junge daher,
So rief er: »Junge, wiste ’ne Beer?«
Und kam ein Mädel, so rief er: »Lütt Dirn,
Kumm man röwer, ick hebb ’ne Birn.«

So ging es viel Jahre, bis lobesam
Der von Ribbeck auf Ribbeck zu sterben kam.
Er fühlte sein Ende. ’s war Herbsteszeit,
Wieder lachten die Birnen weit und breit;
Da sagte von Ribbeck: »Ich scheide nun ab.
Legt mir eine Birne mit ins Grab.«
Und drei Tage drauf, aus dem Doppeldachhaus,
Trugen von Ribbeck sie hinaus,
Alle Bauern und Büdner mit Feiergesicht
Sangen »Jesus meine Zuversicht«,
Und die Kinder klagten, das Herze schwer:
»He is dod nu. Wer giwt uns nu ’ne Beer?«

So klagten die Kinder. Das war nicht recht –
Ach, sie kannten den alten Ribbeck schlecht;
Der neue freilich, der knausert und spart,
Hält Park und Birnbaum strenge verwahrt.
Aber der alte, vorahnend schon
Und voll Mißtraun gegen den eigenen Sohn,
Der wußte genau, was damals er tat,
Als um eine Birn‘ ins Grab er bat,
Und im dritten Jahr aus dem stillen Haus
Ein Birnbaumsprößling sproßt heraus.

Und die Jahre gingen wohl auf und ab,
Längst wölbt sich ein Birnbaum über dem Grab,
Und in der goldenen Herbsteszeit
Leuchtet’s wieder weit und breit.
Und kommt ein Jung‘ übern Kirchhof her,
So flüstert’s im Baume: »Wiste ’ne Beer?«
Und kommt ein Mädel, so flüstert’s: »Lütt Dirn,
Kumm man röwer, ick gew‘ di ’ne Birn.«

So spendet Segen noch immer die Hand
Des von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland.

In Anbetracht meines Birnentorten-Ehrgeizes durfte das Gedicht hier nicht fehlen.
Allen, denen es ebenso gefällt, und die sich oder anderen eine Freude damit machen wollen, sei das mehrsprachige Buch empfohlen, das man im Onlineshop der von Ribbecks (auf Wunsch handsigniert) bestellen kann, allerdings erst wieder nach dem 10. Februar. Auch Adlige brauchen mal Urlaub, und jetzt ist eben gerade nicht Birnenzeit.

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