Russischer_Kaviar

„Es muss nicht immer Kaviar sein“ von Johannes Mario Simmel – das war einer der ersten dicken Romane, die ich – damals eben Teenager geworden – las. Der erste war, wenn ich mich recht erinnere, Anne Golons „Angelique und der König“, den ich allerdings eher heimlich schmökerte, nachdem ich auf geradezu unglaublich freizügige Schilderungen des Lebens am Hofe Ludwig XIV gestoßen war.

Beide Bücher waren  – genau wie das „Hausbuch des guten Tons“ als Vorschlagsbände von Bertelsmann zugeschickt worden und – von der restlichen Familie unbeachtet – in den Bücherschrank gewandert.  Aus meiner noch kindlichen Sicht erschien mir der Simmel nach der Golon als anspruchsvolle Literatur, weswegen ich mich der Lektüre auch ganz öffentlich hingab.

Ein paar Kochrezepte oder Küchentipps waren darin, erinnere ich mich. Damit dürfte Simmel ein Vorreiter gewesen sein. Heute werden sie vielen Romanen, vorzugsweise Krimis, beigegeben, als würde der Leser eigentlich lieber Kochbücher lesen, wenn die Verfasser bei der „Zubereitung“ jeweils etwas Handlung einbauten.

Ob er gewusst hat, der Johannes Mario, wie viel Eindruck das Lesen auf ganz junge Menschen macht? Ich habe das Buch bestimmt in einer Woche weggeschmökert, aber rückblickend kommt es mit vor, als hätte es in meinen Vorstellungen von der Welt viel länger eine Rolle gespielt, und das trifft sicher auch zu. Geschadet hat er mir jedenfalls nicht. (Die Anne Golon mit ihrer Angélique übrigens auch nicht.)

Soeben hörte ich in den Nachrichten, dass Johannes Marion Simmel gestern gestorben ist. Ein Moment, um noch einmal Danke zu sagen einem Autor, der mich damals gut unterhalten und sicher auch zu meiner Freude am Lesen beigetragen hat.