Neujahrskarte von Anne Frank an Sanne Ledermann

Nun habe ich hier doch noch eine Neujahrskarte, aber sie ist nicht von mir, und sie ist nicht an Euch gerichtet. Anne Frank war acht Jahre alt, als sie diese Karte am 31. Dezember 1937 in einen Briefkasten in Aachen warf. Oder vielleicht besorgte das ihre Großmutter für sie, denn bei ihr hielt sich Anne Frank zu der Zeit auf. Wegen der Naziverfolgung lebte die Familie in Amsterdam, und so auch Annes Freundin Sanne Ledermann, an welche die Karte adressiert ist. „Viel Glück im Neuen Jahr“ wünschte sie der Freundin mit diesem Kartengruß. Beide Mädchen überlebten den Holocaust nicht. Anne Franks Tagebuch aber wurde weltberühmt. In ihrer letzten Eintragung in diesem Tagebuch am 1. August 1942 schrieb sie davon, alles von der leichten Seite zu nehmen.
Das schrieb eine Fünfzehnjährige, die seit über zwei Jahren in einem Versteck leben musste…

Ich erwähne Anne Frank, ihr Tagebuch und ihre Neujahrskarte nicht, weil gerade jetzt die Augen der Welt auf Israel gerichtet sind, oder gar, weil ich die öffentliche Empörung über die Bombardierungen nicht teile. Der Tod jedes Unschuldigen ist eine Tragödie für die Familie und für die Freunde, und die Missachtung des Lebens und der Menschenrechte eine Schande für jeden Staat, die durch nichts zu rechtfertigen ist.

Wir Tagebuchschreiber aber, denn etwas anderes sind wir Blogger ja nicht, sollten uns gerade durch ein Dokument wie das Tagebuch der Anne Frank daran erinnert fühlen, dass auch wir gelesen werden, nicht nur von den Blogfreunden aus Nettigkeit… schreibst du mir einen Kommentar, schreibe ich dir einen, und wenn wir mal verschiedener Meinung sind, klären wir das schon. Weit mehr unserer Leser melden sich nie zu Wort. Wir wissen nicht, was sie denken, ob sie unsere Ansichten teilen, ob das, was wir schreiben, nicht wie Gift in ihnen wirkt, falsche Vorteile bestärkt, den Ruf anderer schädigt, Ablehnung und Hass schürt, die Leser verletzt oder verunsichert. Wir müssen uns der Verantwortung bewusst sein, die jeder trägt, wenn er sich öffentlich macht, letztendlich auch der Verantwortung für uns selbst. Fast jeder von uns hat das Tagebuch eines Mädchens gelesen, das bereits ermordet war, als dieses Tagebuch veröffentlicht wurde. Wir aber leben und schreiben für die Lebenden, und es sollte mit Achtung vor dem Leben und mit Respekt für andere Menschen geschehen. Wir müssen Tagebücher gegen Hass und Verfolgung schreiben, und für Menschlichkeit und Menschenrechte.

Neujahrskarte von Anne Frank an Sanne Ledermann (Rückseite)

 

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