Radeleurs

Es fährt ein Floß von Nichtmehr nach Nochnicht
auf einem trägen Strom von lehmig gelber Zeit.
Vier Männer, nur bewährt mit langen Stangen, eifern.
Jeder von ihnen dünkt sich Steuermann, doch keinem
glückt mehr, als den Kahn von den Felsen weg zu drücken,
und ist er gut, kennt er auch die von der Flut bedeckten.

Voraus, zurück und nach den beiden Seiten
schauen die Passagiere auf den schwanken Stämmen.
Die Einen drängen ungeduldig sich ganz vorn,
die Andern hinten, schauen wehmütig zurück
über die Spur, die in den Wellen sich verliert.
Dazwischen teilt man sich in Links und Rechts.

Und dann meint Einer, hinter der nächsten Biegung
das Ziel schon zu erkennen, ruft: Haltet euch bereit!
Ein Andrer, feig genug die eigne Kraft zu überschätzen,
ruft: Noch ist es nicht zu spät. Von Bord! Von Bord!
In der Mitte schauen die Rechten rechts, die Linken links,
und Einer ruft: Seht an diesem Ufer das gelobte Land!

Es fährt das Floß und trägt die Last der Lebenden
den Strom der Zeit hinab und bleibt stets auf der Höhe
von Gegenwart. Und es fährt sicher, denn Nichtmehr
ist nie weit zurück, und Nochnicht stets unerreichbar nah.
Und nur wenn einem Ruf: Links! Rechts! Voran! Zurück!
schweigende Mehrheit folgt, bekommen alle nasse Füße.

© Christa Hartwig

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