200810050924Foto: Phillipp

Sandkasten

Emma backt Kuchen aus Sand,
füllt immer wieder das Förmchen
und setzt es auf die hölzerne Umrandung
des Sandkastens,
und zeigt sich ein Riss,
will sie den Kuchen retten,
und weiche Kinderhände
hinterlassen weiche Spuren.

Emmas Mama will Vorbild sein,
füllt ihrerseits das Förmchen
und setzt es auf die hölzerne Umrandung
des Sandkastens.
Sie hat Erfahrung
und ein Gespür entwickelt,
hinterlässt Spuren nur
in der weichen Seele.

Paul baut eine Burg aus Sand,
gräbt mit der Schaufel einen Graben,
einen Wall, Tore, Treppen, Türme formt er
und häuft Sand auf Sand,
und zeigt sich ein Riss,
will er die Burg retten,
und weiche Kinderhände
hinterlassen weiche Spuren.

Pauls Papa will Vorbild sein,
gräbt seinerseits mit der Schaufel
einen Graben, einen Wall, formt eine Burg
und häuft Sand auf Sand.
Er hat Erfahrung,
und kennt sich aus mit Statik,
Treppen und Türme
wie für die Ewigkeit.

Die Sonne brennt, lässt den Sand rieseln,
und mit den Wällen füllen sich die Gräben.
Ein Wind erhebt sich und trägt Korn um Korn davon.
Es fällt die Nacht und mit ihr
fällt auch Regen.
und wäscht die Spuren fort,
bis die Sonne wiederkehrt
und seine Spur verbrennt.

Sand wandert,
fällt in Getriebe, wird durch Düsen gejagt,
in Glut zu Glas geschmolzen und wieder zermahlen,
von Flüssen ins Meer getragen,
vom Meer ans Ufer gespült,
vom Wind zu Dünen geweht,
geschützt, bis niemand mehr beschützt
und niemand mehr betritt.

Es bleiben die Ewigkeit
und die Spuren in den Seelen.

olivenzweig

Advertisements