Ich bin nicht sonderlich sportlich, aber Gedankenspringen konnte ich schon immer gut. Als ich heute früh den Eintrag Ruhrpottmenschen von marysweetmary las, da erinnerte mich das daran, dass ich mich kürzlich wunderte, in wie vielen Orten im Ruhrgebiet mein Blog gelesen wird. Treffe ich zufällig den ruhrpöttischen Sinn für Humor, oder hocken da Männer, bei denen meine erotischen Geschichten und fröhlich-frivolen Einträge ganz besonderen Anklang finden? Fährt da gar noch jemand in die Zeche ein, und ich darf mir hinter der schweißglänzenden, kohlenstaubverschmierten Stirn Kopf-im-Schoß-Träume vorstellen? Vielleicht gar eine Taube, die, mir zugedacht, in den Himmel aufsteigt, ein paar Orientierungsrunden über Bochum, Essen oder Oberhausen dreht, um dann Richtung Berlin zu fliegen?

@ Herr Brezner
Das ist, wie Sie selbst bemerkt haben ein Mädchenblog, und ich darf auch mal ganz naiv rumspinnen. Außerdem… aus Wittigheim-Dirchingerode krieg ich immer nur Klicks auf meine Kindergeschichten.

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Und wie kommt es, dass meine Seite in Frankfurt und Umgebung dreimal (!) so beliebt ist wie in Berlin? Gebe ich etwa Börsentipps und merke es selbst nicht?

owl

Fragen über Fragen! Und beim Nachdenken darüber fiel mir wieder die Karte im Kopf ein. Diese Karte entsteht, ohne dass ich es will. Das fing an, kurz nachdem ich angefangen hatte zu bloggen, als sich die ersten Kontakte und Blogfreundschaften ergaben. Plötzlich fiel mir auf, dass wenn ich an jemanden schrieb, ein Blog las, etwas kommentierte, dabei in eine Richtung dachte. Ich stellte mir eine Richtung vor, in welcher derjenige zu finden wäre, oberhalb, unterhalb, rechts oder links von meinem Standpunkt, näher oder weiter entfernt. Das Oben oder Unten hatte dabei nichts mit Wertigkeit zu tun, das Rechts und Links nichts mit politischer Orientierung. Und schon gar nicht entsprach diese Karte der Lage der tatsächlichen oder angeblichen Wohnorte. Zu meiner Ehrenrettung sei noch gesagt, dass auch ich mich nicht genau in der Mitte dieser sich im Kopf bildenden Karte befand, sondern etwas versetzt.
Ich könnte diese Karte sogar zeichnen, aber das lasse ich hübsch bleiben. Und sie dann vielleicht auch noch hier ins Blog setzen! Und dann kommt so ein durchtriebener Psychoanalytiker und weiß mehr über mich als Google und ich selbst zusammen! Nee, nee, nee…

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Franz Ackermann
Mental Map: Evasion VI

Und bei den Überlegungen, wie und warum überhaupt so eine Karte im Kopf entsteht, fiel mir der Maler Franz Ackermann ein und seine Mental Maps, Reiseerinnerungen, die mit Geographie nichts zu tun haben. Ich habe Ackermann mal in seinem Berliner Atelier besucht. Er machte auf mich den Eindruck eines lebensfrohen, mit beiden Beinen auf der Erde stehenden Menschen. Aber er hat diese Karten im Kopf und malt sie auf Leinwand oder auf Wände. Und dass er dies tut, beruhigt mich ungemein, denn es gibt mir das Gefühl, mit meinen Kopfkarten kein Einzelfall zu sein und auf die Analysecouch zu gehören.

Und von Karten kam ich dann wieder auf die Deutsche Einheit und darauf, wie sich für mich nach und nach auf der Deutschlandkarte weiße Flecken mit Grün für Ebenen und Braun für Berge und mit den Namen von Städten füllen… mit Bildern, Eindrücken, Gesichtern und Gefühlen.

olivenzweig


Kommentare zum ursprünglichen Eintrag:

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