Tätig ist man immer mit einem gewissen Lärm. Wirken geht in der Stille vor sich.

Peter Bamm, 20.10.1897 – 30.03.1975
deutscher Schriftsteller

Ein Autor, der von einem anderen Autor abschreibt, ist ein Plagiator, einer, der bei 100 Autoren abschreibt, ein belesener Schriftsteller, schrieb Peter Bamm sinngemäß in seiner Autobiografie „Eines Menschen Zeit“. – Aber wer schreibt schon ab… oder gibt es zu?
Wenn ich abschreibe, dann zitiere ich und nenne die Quelle. Leider gibt es aber auch Fälle, in denen ich genau weiß, dass ich etwas gelesen habe, mich an den Inhalt gut, dafür aber umso weniger an die Quelle erinnern kann. Und diese kleine Geschichte ist genau so ein Fall:

Ein Herr sitzt auf einer Parkbank und genießt die frühe Morgenstunde. Noch rennen keine Kinder herum, sondern befinden sich brav auf dem Schulweg. Noch ertönt kein Babygeschrei aus Kinderwagen, weil die Kinderwagenschieberinnen warten, bis der Tag wärmer wird. Und aus dem gleichen Grund bevölkern sich die Parkbänke auch noch nicht mit Rentnern. Der Herr sitzt und genießt in splendid solitude, betrachtet die vom Morgendunst weichgezeichnete Landschaft, als er sich eilig nähernde Schritte vernimmt. Eine Dame, die womöglich den Weg durch den Park als Abkürzung benutzt, um zu ihrer Arbeitsstelle zu gelangen.
Die Dame kommt näher, entdeckt den einsamen Genießer, bleibt stehen… Er sieht, dass sie mit dem Gedanken spielt, umzukehren. Dann aber macht sie ein paar Schritte in die ursprüngliche Richtung, zögernd allerdings.
Der Herr erhebt sich und geht, wie selbst in Eile und zielbewusst, in eben jene Richtung, die auch die Dame zu nehmen gedenkt.
Die kleine Episode schloss der Autor mit dem Satz: Man kann einer Dame auch entgegenkommen, indem man sich von ihr entfernt.

Kaum zu glauben, aber ich kann die Formulierung „entgegenkommen“ nicht lesen, ohne mich an diese Geschichte zu erinnern. Der mir nicht erinnerliche Autor möge mir verzeihen, wenn ich nun quasi von ihm abgeschrieben habe. Es ist als Kompliment gemeint.

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