Augustin Théodule Ribot: The cook and the cat

Augustin Théodule Ribot: The cook and the cat

Gato oder Gateau. Nein, das war nicht der Name.
Madame… … Ich weiß es beim besten Willen nicht mehr.

Diese Gato/Gateau-Geschichte aber ist mir in Erinnerung geblieben. Immer erinnere ich mich an Geschichten viel besser als an Namen. Und diese Geschichte hatte sie erzählt, eines Vormittags am Strand von Sousse (Tunesien), wo sie sich für einen gemeinsamen Urlaub mit ihrem Sohn getroffen hatte, der in Paris studierte.

Sie war Jüdin. etwa im Alter meiner Mutter und als junges Mädchen mit ihrer Familie noch rechtzeitig aus Deutschland ausgereist, zunächst nach Frankreich. Dort hatte sie einen Franzosen geheiratet und war mit ihm nach Venezuela ausgewandert, wo sie zu der Zeit, als ich sie kennenlernte, noch immer einen Kosmetiksalon betrieb.

Das junge Ehepaar hatte in Venezuela ein einheimisches Hausmädchen eingestellt, das nur leidlich Französisch sprach, während die Ehefrau gerade erst anfing Spanisch zu lernen.
Eines Tages bat sie das Hausmädchen, einen Kuchen zu backen. Das spanische Wort für Kuchen aber wusste sie nicht. „Gateau, gateau, gateau…“ wiederholte sie, bis das Mädchen, das sie mit großen Augen anschaute, verstanden zu haben schien und folgsam nickte.
Es vergingen Tage, ohne dass der gewünschte Kuchen serviert wurde, und Tag für Tag erinnerte sie das Hausmädchen daran. „Mañana“, sagte das Mädchen dann. Morgen.
Genau das aber war der jungen Ehefrau schon bekannt, dass diese Südamerikaner immer alles auf den nächsten Tag verschoben, und sie wurde nicht müde, den Kuchen anzumahnen.
Es kam der Tag, da das Mädchen, das recht gut kochte, ein geschmortes Kaninchen servierte. Als es zum Nachtisch wieder keinen Kuchen gab, und die übliche Mahnung erfolgte, schien das Mädchen zutiefst gekränkt zu sein, wies auf die Reste des vermeintlichen Kaninchens und sagte: „Aber ich habe gato gekocht!“
Erst als im Laufe des Nachmittags die zum Haushalt gehörende Katze vermisst wurde, ging der entsetzten Ehefrau ein Licht auf. Gato ist das spanische Wort für Katze.

Meine Urlaubsbekannte erzählte diese etwas grausige Geschichte auf eine sehr charmante und anschauliche Art. Sie war überhaupt eine charmante Frau.
Sie sah gut aus, war aber keine Schönheit. Sie war nicht dick, aber auch nicht übermäßig schlank. Sie trug einteilige Badeanzüge wenn sie sonnte oder ins Meer ging, und schöne, bodenlange Strandkleider, wenn sie meinte, dass ihre Haut für diesen Tag genug Sonne abbekommen hatte. Um den Kopf trug sie stets ein zu einem Turban geschlungenes Tuch. Das gab ihr etwas fast Hoheitsvolles. Ihr Blick ruhte wohlgefällig auf jungen Männern und war von freundschaftlicher Wärme, wenn sie ihn auf Frauen richtete. Und, wie gesagt, sie wusste sehr charmant zu erzählen und zu plaudern.

Ich selbst war mit meinem damaligen Freund dort, und ich glaube, einzig meine Anwesenheit hinderte ihn daran, dieser Frau zu Füßen zu sitzen, so wie es die Freunde ihres Sohnes manchmal taten. Das ewig Weibliche…
Ihren Namen habe ich vergessen. Sie selbst habe ich nicht vergessen.

Kommentare zum ursprünglichen Eintrag:

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