Cosmetic counter, T. Eaton Co. Ltd., Calgary, Alberta, Canada

Eines Tages betrat Rosenbach eine Parfümerie, um ein Duschgel zu kaufen. Er nahm sich Zeit, an den verschiedensten Düften zu schnuppern, während eine Verkäuferin, mit silbrig gepuderten Lidern flatternd, ihm immer wieder ein mit Kaffeebohnen gefülltes Döschen hinhielt, damit sein Geruchssinn sich neutralisieren konnte und zu weiteren olfaktorischen Wahrnehmnungen bereit war:
Tabak, Minze, Lavendel, Vanille, Schalen von Bitterorangen, Zypresse, Veilchen, Kumarin, Grapefruit, feuchtes Gras, peruanisches Zedernholz, Sandelholz, südamerikanischer Pfeffer. indonesisches Patschuli, Mandarine, Rosmarin, Palisanderholz, Moschus, Zimt, Kardamom, Ambra, Wassermelone, Moos, Gurke, aus Tunesien stammende Orangenblüten, indischer Jasmin, Sternanis, Immortellen, Zitrone und Bergamotte aus Kalabrien, Leder…
Rosenbach erinnerte sich an die Werbung, die er in Men’s Health gesehen hatte, und die Eleganz, Kraft und Sinnlichkeit, aufregende Abende und lange Nächte, Fernweh, grenzenlose Freiheit und Vitalität versprach. Dynamisch, extrovertiert oder unkonventionell würde er wirken, sinnlich und sexy, optimistisch oder souverän, italienische Lebensart verströmen…

Als Rosenbach auch die Kaffeebohnen nicht mehr riechen konnte, entschied er sich für ein Duschgel, von dem die Verkäuferin sagte, es habe den Duft von schwarzem Tee. An der Kasse legte er einen 100-Euro-Schein auf den Zahlteller.
„Hätten Sie es vielleicht kleiner?“ fragte die Verkäuferin, ein Lächeln auf den makellos geschminkten, seidig glänzenden Lippen.
Rosenbach nahm die Banknote wieder an sich und zog eine 20-Euro-Note aus der Brieftasche. Die Verkäuferin schaute ihn erwartungsvoll an. Das war er gewohnt und hielt ihrem Blick stand. Die gepuderten Lider flatterten etwas heftiger.
„Siebenundzwanzig-fünfundneunzig“, sagte die Verkäuferin.
„Ich weiߓ, sagte Rosenbach.
„Das sind zwanzig Euro“, sagte die Verkäuferin.
„Ich weiߓ, sagte Rosenbach. „Sie wollten es doch kleiner. Anders habe ich es nicht“, steckte das Duschgel in die Tasche seines Burberry und verließ mit beschwingten Schritten das Geschäft, um der Dusche entgegen zu eilen. Der Gedanke an belebenden schwarzen Tee erfrischte seinen Geist schon jetzt.
Was hatte dieses Schätzchen denn erwartet? Dass ein Mann, der es gewohnt ist „Stimmt so“, zu sagen, Kleingeld in der Tasche trug?

© Christa Hartwig

Advertisements