Auf dieses Buch stieß ich seinerzeit auf die nicht übliche Art (Werbung oder Rezension in einer Zeitschrift), sondern durch die Bekanntschaft mit dem russischen Maler Maxim Kantor, die sich wiederum durch die Vorbereitung der Ausstellung „New Empire“ ergeben hatte. Der Philosoph Vittorio Hösle hatte das Vorwort zum Ausstellungskatalog geschrieben, und die Kataloge zu Ausstellungen, an deren Vorbereitung man arbeitet, liest man (besser!) sehr sorgfältig. So recherchierte ich auch ein wenig über die Autoren und kam darauf, dass eben jener Hösle besagtes Buch geschrieben hatte. Ich sprach mit Kantor darüber, und er erzählte mir, dass Hösle nicht nur zu seinen persönlichen Freunden gehöre, sondern dass er auch das Mädchen (zum Zeitpunkt des Gesprächs schon eine junge Frau, die in England Philosophie studierte) kennengelernt hatte. Denn Vittorio Hösle ist nicht alleiniger Autor des „Cafès…“. Er schrieb das Buch im Dialog mit einem ungewöhnlichen Kind, welches zu Beginn der Arbeit an dem Werk elf und am Ende dreizehn Jahre alt war.

Nora K.’s bemerkenswertes Interesse an Philosophie brachte Hösle darauf, das Mädchen zu imaginären Kaffeehausbesuchen einzuladen, und in diesem Kaffeehaus begegnet sie den Großen der Geschichte der Philosophie, die ihr ihre Gedanken auf kindgerechte Weise erklären.

Allen, die, wie ich, ihre Probleme mit zum Beispiel hegelschen Texten haben, weil sie am Ende eines langen Satzes nicht mehr wissen, wovon am Anfang die Rede war und deshalb jeden Abschnitt mindestens dreimal lesen müssen, und allen, die einen Teenager mit Interesse für Philosophie beschenken möchten (He! Das ist doppeldeutig und gut!), sei das Buch wärmstens empfohlen.

Nora K. – Vittorio Hösle: Das Café der toten Philosophen

Nora K. – Vittorio Hösle
Das Café der toten Philosophen
Verlag C. H. Beck oHG, München 1996
ISBN 3 406 47574 4

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