Wenn man sich im Bloggerland, Blubberland, in Bloghausen umschaut, könnte man meinen, es gäbe mehr beendete oder in den letzten Zügen liegende Paarbeziehungen als solche, die funktionieren.
Nun, ich hoffe, das ist nicht so, auch wenn die gestiegene Scheidungsrate dafür spricht, dass Verbindungen, ursprünglich fürs ganze Leben eingegangen, sich häufiger als früher als Verbindungen auf Zeit erweisen. Das darf man nicht nur negativ bewerten, denn früher haben Paare wohl oft unter wirtschaftlichem oder gesellschaftlichem Druck nur äußerlich zusammengehalten und waren dabei nicht unbedingt glücklich. – Was den Eindruck beim Surfen durch die Blogs entstehen lässt, ist vermutlich der Umstand, dass der private Kummer oft der Auslöser ist, überhaupt ein Blog zu beginnen, während in einer glücklichen Beziehung lebende Menschen anderweitig beschäftigt sind und, wenn sie denn überhaupt ein Blog haben, sich mit anderen Themen befassen.

Ich habe mich schon mehrfach bei Blogfreunden entschuldigt, wenn ich Einträge zum Thema der eigenen Beziehungskrise nicht kommentiert habe, und ich habe Einladungen abgelehnt und sogar mich von Blogfreunden wieder getrennt, wenn die persönlichen Probleme das ausschließliche Thema des Blogs waren oder wurden, einfach weil ich es schwierig und fast riskant finde, auf solche Themen einzugehen, ohne die Person, die Verständnis und einen Rat sucht, gut genug zu kennen – von der „anderen Seite“, dem (Ex-)Partner, dem nachgetrauert oder der angeklagt wird, ganz zu schweigen – und weil ich oberflächliche Tätschel-Kommentare nicht schreiben mag. Ich habe gelegentlich dann doch kommentiert, besonders wenn es um die Probleme von mir lieben Blogfreunden ging und mir daran gelegen war, dass sie sich mit ihrem Kummer nicht alleingelassen fühlen. Doch immer bereitet es mir gewisse Bauchschmerzen, würde ich doch selbst bei meinen eigenen Töchtern Ratschläge sehr vorsichtig äußern und nie, ohne alle Seiten des Problems abgeleuchtet zu haben.

Dessen ungeachtet, bin ich durchaus der Meinung, dass Problemaufarbeitungs-Blogs ihre Berechtigung und ihre Funktion haben, und es finden sich ja auch immer Gleichgesinnte, die den erhofften Trost spenden. Die virtuellen Umarmungen tun Vielen sicher gut, egal wer tröstet und wer getröstet wird. Nur ist das im Allgemeinen nicht mein Ding.

Aber… da steht in meiner eigenen Blogbeschreibung „…schreibe ich nun über das Leben, die Liebe und den ganzen Rest.“ Und das zuvor Gesagte klingt, als würde ich mich lieber raushalten. So ist es jedoch nicht. Ich möchte deshalb über das schreiben, was ich persönlich aus und über Beziehungen gelernt habe – Manches auf die nicht leichte und angenehme Weise und Manches, wie man meinen könnte, verdammt spät. Zu spät aber ist es nie, und sei es, um das Geschehene im richtigen Licht zu sehen. Und ich möchte es nicht in einem Kommentar schreiben, mehr schlecht als recht zugeschnitten auf die jeweilige Person, sondern hier in meinem Blog, und jeder möge nach Belieben verstehen und vielleicht… ganz vielleicht… etwas für sich daraus ziehen.

Liebe (entzaubert)

Da begegnen sich zwei Menschen, gefallen einander, verlieben sich, der Himmel ist blau und hängt voller Geigen, alles ist neu und aufregend. Dann ziehen Wolken auf, es gibt auch mal einen Sturm, von den Geigen ist nicht mehr viel zu hören und zu sehen, und die Realität holt das Paar ein.
So geschieht es nicht immer aber oft. Und es geschieht immer häufiger, desto vielfältiger und differenzierter unsere Ansprüche an eine Partnerschaft werden. Die wirtschaftlichen Notwendigkeiten, die früher Frauen praktisch in die Ehe zwangen, sind entfallen. Und Männer von heute verlottern nicht zwangsläufig, wenn keine Frau ihnen das Essen vorsetzt und die Wäsche wäscht. Und ob denn gemeinsame Kinder überhaupt zur Debatte stehen, ist noch mal eine ganz andere Geschichte. All die Gründe, warum Menschen früher geheiratet haben, treten als geradezu zweitrangig zurück hinter der Hoffnung auf die Erfüllung ganz anderer, von Mensch zu Mensch viel individuellerer Bedürfnisse. Umso schwieriger, glauben manche, sei es, den richtigen Partner zu finden. Und dennoch macht sich kaum jemand mit einer Checkliste auf die Partnersuche – vielleicht deshalb nicht, weil im Unterbewusstsein eine Ahnung vorhanden ist, dass es ihn nicht gibt, diesen einen Menschen, der all unsere Erwartungen erfüllt.
Zunächst aber, im Schwange des ersten Frühlings, verdrängen und übersehen wir gerne, was nicht mit unseren Wünschen übereinstimmt. Unendlich süß ist die Zeit des anfänglichen Verliebtseins. Unendlich bitter kann später die Realität schmecken.

Dennoch würde ich niemandem raten, sich mit einem Anforderungskatalog auf die Suche zu machen – es sei denn, man würde sich auf die Basics beschränken. Und wer will das schon? Stattdessen verlassen die Meisten sich doch zum guten Teil auf ihren Instinkt. So verkehrt ist das nicht. Unser Unterbewusstsein registriert viel mehr, als wir auf Anhieb beim überlegten Suchen zur Kenntnis nehmen könnten. Die Schwierigkeit besteht darin, dass in unser Unterbewusstsein natürlich auch Muster geprägt sein können, die einer glücklichen Partnerwahl eher im Wege stehen. Wer irgendwann klagt, immer wieder an den falschen Partner zu geraten – noch dazu, wenn die auftretenden Probleme sich ähneln, und wer die Gründe dafür nicht selbst erkennen kann, sollte den Rat eines Fachmenschen in Anspruch nehmen, z.B. den eines Therapeuten. Aber auf so Spezielles will ich gar nicht eingehen. Dazu bin ich weder berufen noch qualifiziert. Mir steht nichts anderes zur Verfügung, als die eigene Erfahrung plus einige Erfahrungen aus zweiter Hand, die nur einen Bruchteil des Spektrums möglicher Probleme abdecken. Ich lasse deshalb die speziellen Probleme hier ganz aus und möchte mich nur mit dem beschäftigen, was an Problematik in jeder Paarbeziehung mehr oder weniger stark auftritt.

So aufgeklärt wir zu sein meinen, so geistert doch in vielen Köpfen noch der Glaube an den einen Richtigen, die eine Richtige herum, und zahlreich sind die Songtexte, die dieser Mär Nahrung geben. Da hilft keine nüchterne Überlegung, wie schlecht denn unsere Chancen stünden, unter weit über sechs Milliarden Menschen diese eine Person zu finden, da ist plötzlich wieder von Schicksal die Rede. Denn nur so kann es ja sein, dass man diese eine Person dann doch gefunden hat, den einzigen Menschen, mit dem man glücklich sein kann und glücklich sein möchte – so empfindet es mancher. Tief in uns drinnen ist er verankert, der Glauben an einen Lenker der Geschicke, an Nornen, die Fäden spinnen. Und sosehr unser Verstand diesen Glauben ablehnen mag, sosehr neigt unser eigenes Phlegma ihm zu, enthebt so ein Schicksal uns doch von der Verantwortung, eine Entscheidung getroffen zu haben. Doch genau das haben wir getan, bewusst oder unbewusst. Wir sind einem Menschen begegnet, unsere Urinstinkte haben geprüft und erst mal für gut befunden, und den Rest haben wir erfolgreich versucht mit unserem Wunschbild in Deckungsgleichheit zu bringen. Deutlich gesagt: Wir haben beschlossen, diesen Menschen zu lieben. Und hauptsächlich sind es unsere in Aufruhr geratenen Hormone, die uns ein fast magisches Erlebnis vorgaukeln. Da kreisen die Gedanken plötzlich nur noch um diese Person. Da ist man bereit, alles, aber auch alles zu tun. Da erscheinen die eigenen Bedürfnisse plötzlich lächerlich banal und verzichtbar.
Dann pegelt sich der Hormonspiegel langsam wieder auf ein normales Maß ein, und wir gewinnen nach und nach unsere Objektivität zurück. Das muss nicht zwangsläufig bedeuten, dass wir aus allen Wolken fallen. Haben wir keine abträglichen Muster in unserem Profil, funktionieren unsere Sinne gut und unser Gehirn Abteilung Unterbewusstsein hat die sehr komplizierte Arbeit, unsere Bedürfnisse mit den Gegebenheiten abzugleichen einigermaßen gut bewältigt, dann beruhigen sich lediglich die Schmetterlingsflügel im Bauch, und wir sehen einigermaßen klar, wo der Partner nicht mit unserem Wunschbild übereinstimmt, und können mit der konstruktiven Arbeit an der Beziehung beginnen. Im Idealfall trifft dies für den Partner ebenso zu.

Da laufen in der Welt noch Tausende möglicher anderer Partner herum. Zwei Menschen aber haben beschlossen aus dieser ihrer Beziehung das Beste zu machen, einander zu lieben und an einander zu wachsen, um jeder für sich und beide gemeinsam mehr zu sein, als sie es ohne den Anderen wären. Wer nach dem Grundsatz lebt: Drum prüfe, was sich ewig bindet, ob sich nicht noch was Bessres findet, sollte sich darauf einstellen, allein zu bleiben. Diese zwei Menschen aus dem Beispiel aber, sollten sich vor allem ihrer freien Entscheidung bewusst sein. Kein Schicksal, keine Fügung. Stattdessen eine eindrucksvolle Leistung von Sinnen und Unterbewusstsein und ein klarer Verstand, der sich bekennt.

Ich bin verzaubert und muss dich lieben? – Nein.
Ich könnte auch anders, aber ich will dich lieben. – Viel besser.

Mit dieser These zerstöre ich einen Zauber?
Nein, denn das, was einen Menschen ausmacht, das was ihn befähigt eine Beziehung einzugehen, ist so wundervoll wie etwas nur sein kann.
Diese These, die ich nicht zur These schlechthin erkläre, sondern von der ich nur sage, das sie das Arbeitsergebnis meiner persönlichen Erfahrung ist, richtet sich gegen den Hokuspokus, den Schicksalsaberglauben, der es vielen unnötig schwermacht, im Falle des Scheiterns einer Beziehung einen Schlussstrich zu ziehen. Denn auch dafür ist es wichtig, wirklich zu verstehen, dass nicht geheime Mächte uns in die Arme eines anderen Menschen getrieben haben, sondern dass wir eine Entscheidung getroffen haben. Eine Entscheidung aber kann man revidieren, wenn sie sich als Fehler erweist. Man muss dazu nicht sein halbes Leben über Bord werfen, und man muss auch nicht blindwütig auf der eigenen Lebensgeschichte herumtrampeln. Man kann diese Geschichte ruhig betrachten, seine Irrtümer als Lehrjahre ansehen und sich die schönen Erinnerungen an diese Jahre, die es ja auch gibt, bewahren.

Kommentare zum ursprünglichen Eintrag:

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