Handabdrücke, Cueva de los Manos, Argentinien

Handabdrücke, Cueva de los Manos, Argentinien

Ich nehme deine Hand.
Eine nach der anderen, küsse ich deine Fingerspitzen, von denen keine Ihresgleichen hat. Mittelfinger, Ringfinger, Zeigefinger, kleiner Finger, die flache Kuppe des Daumens. Ihre unverwechselbaren Spuren an jeder Stelle meines Körpers.
Dann drücke ich meine Lippen in deine Handfläche, erkunde mit der Zungenspitze das Delta zwischen Lebenslinie und Apollolinie, dazwischen die Schicksalslinie, kreuzend die Herzlinie und die Kopflinie.
Danach küsse ich die Innenseite deines Handgelenks, deinen Puls nur ahnend, dafür jedoch meinen eigenen Herzschlag fühlend, stärker jetzt. Und ich frage mich, ob du ihn über meine Lippen spüren kannst.
Ich gebe dir einen Kuss in die Armbeuge, auf das zarte Blau der Vene unter der Haut, die weicher ist als meine Lippen, so weich, dass ein Gefühl unendlicher Zärtlichkeit mich überflutet.
Dann wandert mein Mund weiter aufwärts, zwei sanfte Hügel rechts liegen lassend, bis ich mein Gesicht in deiner Achselhöhle vergrabe, die Augen schließe. Ein Duft von tropischem Wald. Die Nähe warmer Tierkörper. Eine Erinnerung an die Wiege der Menschheit.

Und blind sucht meine Rechte deine Seite.
Sucht deine Seite und orientiert sich am unteren Rippenbogen.
Findet von Dort den Weg zum Sonnengeflecht.
Ich spreize die Finger darüber.
Und entzückt hebe ich das heiße Gesicht,
suche deinen Blick und die Antwort,
ob du mir die Ewigkeit schenkst,
die ich brauchen werde
zum Zeichnen all der Wanderkarten,
der Weltkarten,
der Sternenkarten
dieses Universums,
das du bist.

© Christa Hartwig

Advertisements