Saigon Sunrise

Saigon Sunrise – Foto: Kham Tran

Man darf Träume nicht vor dem Frühstück erzählen, pflegte meine Großmutter zu sagen. Da ich mich selten an meine Träume erinnere (Sie bleiben wohl Morphys Geheimnis.), komme ich auch selten in die Verlegenheit, mich diesem Rat zu widersetzen. Doch heute und obwohl ich noch nicht gefrühstückt habe, möchte ich einen Traum erzählen. Er liegt allerdings viele Jahre zurück, und ich habe seither sehr oft gefrühstückt.

In jenem Traum muss es Sommer gewesen sein, denn ich ging durch menschenleere Straßen, als die Sonne aufging zwischen den Häusern. Langsam erhob sie sich über den urbanen Horizont einer Straßenflucht, hatte ihr Kommen angekündigt durch die Färbung des Nachthimmels, war zu einem gleißenden Curser geworden und nahm nun, je mehr von ihrer runden Form sichtbar wurde, an blendendem Glanz zu. Doch kaum hatte sie es ganz geschafft, trat sie den Rückzug an und versank, wie sie gekommen war.
Die Welt dreht sich anders herum, dachte ich im Traum. Das ist das Ende. Und niemand außer mir bemerkt es. – Und während ich dies dachte, war ich vollkommen ruhig, jedenfalls nicht von Panik erfüllt, sondern in den Bann dieser Beobachtung gezogen, so als würde mich das, was geschah, nicht wirklich überraschen.

Vielleicht ist es das, was mich für Andere manchmal anstrengend macht, was sie mir bisweilen als Mangel an Vertrauen auslegen – in sie, in die Zukunft, in was auch immer.
Mir ist nichts selbstverständlich, auch nicht, dass am Morgen die Sonne aufgeht.

Nein, Freunde, es ist kein Mangel an Vertrauen. Es ist wohl nur meine Art, alles täglich aufs Neue als Wunder zu begreifen: Den Kreislauf des Lebens, die Natur, die Menschen, die Liebe…

Kommentare zum ursprünglichen Eintrag:

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