Ein ganz gewöhnlicher Montagmorgen mit seiner Routine. Vorbereitung auf den ersten Arbeitstag der Woche. Dabei ging mir etwas im Kopf herum, bis es für einen Moment verdrängt wurde von dem Gedanken, dass ich mir ein ordentliches Frühstück machen konnte. Ernährungstechnisch war der Sonntag nämlich nicht optimal gelaufen. Am Samstag hatte ich keine Lust gehabt, einkaufen zu gehen, und dann gestern im Laufe des Tages drei Mal die Kühlschranktür geöffnet, um mich immer wieder davon zu überzeugen, dass sich dahinter nur Margarine, Parmesankäse, eine halbe Zitrone und ein halbvolles Glas Pesto befanden. Spaghetti hätte ich mir kochen können. Ich aber hatte Appetit auf Brot mit was drauf, und dieser trieb mich am frühen Abend dann aus dem Haus. Ich fuhr zum Südkreuz. Der EDEKA-Markt dort ist an sieben Tagen in der Woche bis 22 Uhr geöffnet. Ich kaufte Käse, Leberwurst, Teewurst (die beiden Wurstsorten in gebrauchsfreundlichen Deckeldöschen) und…
konnte der Versuchung nicht widerstehen, im Segafredo nebenan noch einen Cappuccino zu trinken. Kuchen gab es da auch. Zuhause wurde der Aufschnitt in den Kühlschrank gepackt. Mein Hunger war gestillt, aber es war ein gutes Gefühl, was da zu haben, und heute früh erinnerte ich mich daran und war froh, entschied mich für Käse und Leberwurst, aber während ich das Knäckebrot aus der Dose holte, ein Messer aus der Schublade nahm… waren meine Gedanken schon wieder dort, wo sie sich seit dem Aufstehen getummelt hatten. Brote schmieren und sie essen kann man, ohne viel darüber nachzudenken.

Und warum schmeckte die Leberwurst wie Teewurst? – Na klar, weil es Teewurst war. Geistesabwesend hatte ich das falsche Döschen aus dem Kühlschrank geholt.
Aber hätte ich es nicht gleich darauf merken müssen? An der Farbe, an der Konsistenz? – Immerhin reagierte mein Geschmackssinn noch und meldete: Das ist keine Leberwurst.
War ja kein Problem. Ich mag auch Teewurst. Hätte ich sie sonst gekauft? Nur über meine Gedankenlosigkeit kann ich mich ärgern, bis ich plötzlich dachte:
Es war genau das Gegenteil von Gedankenlosigkeit.
Das, was mich abgelenkt hatte, war weit wichtiger als die Frage, welche Wurst aufs Brot kam. Eine Idee, eine Inspiration vielleicht… Na, wir wollen mal nicht übertreiben. Dann schon lieber die vage Erinnerung an den Kuss einer Muse. Das gefällt mir am besten. Mythologie hin, Mythologie her, meine Muse ist männlich.

Dem Himmel sei Dank für Tage, an denen ich mich frage, warum die Leberwurst wie Teewurst schmeckt.

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